DGV-Rahmentrainingskonzeption

Stabilisieren und Ausprägen Investieren und Perfektionieren Vorbereiten der Höchstleistung Spezialisieren Lernen und Trainieren Spielen und Üben lernen Bewegen und Ausprobieren DGV-Rahmentrainingskonzeption Langfristiger Leistungsaufbau und Trainingssteuerung

Impressum Herausgeber: Deutscher Golf Verband e.V. Kreuzberger Ring 64 65205 Wiesbaden Tel. 0611/99020 – 0 info@dgv.golf.de; www.golf.de/serviceportal Verlag: Köllen Druck+Verlag GmbH Ernst-Robert-Curtius-Straße 14 53117 Bonn Tel. 0228/98982 – 83 Fax 0228/98982 – 99 golf@koellen.de; www.koellen-golf.de Herausgegeben: 2., überarbeitete und erweiterte Auflage, September 2026 Verantwortlich für den Inhalt: Bundestrainer, Leistungssportabteilung und Trainerausbildungsteam des Deutschen Golf Verbandes e.V. 1. Auflage unter Mitwirkung von: Katja Bayer, Dr. Wolfgang Birkle, Fabian Bünker, Ulrich Eckhardt, Prof. Manfred Grosser, Dr. Christian Heiss, Christoph Herrmann, Julia Kern, Rolf Kinkel, Christian Marysko, Stephan Morales, Marcus Neumann, Klaus Oltmanns, Frank Pinter, Prof. Dr. Klaus Roth, Sebastian Rühl 2., überarbeitete und erweiterte Auflage: Sebastian Rühl Gesamtherstellung Grafik und Satz, Druck: Köllen Druck+Verlag GmbH, Bonn Fotografien: © Stefan Bluemer/presseatelier.de, Philipp Eibl, https://philippeibl.de/ Bildnachweise der einzelnen Fotografien auf Seite 353. Titelfoto: Thomas Kirmaier Copyright © 2026 Deutscher Golf Verband e.V. (DGV) Alle urheberrechtlichen Nutzungsrechte bleiben vorbehalten. Der DGV behält sich auch das Recht vor, Vervielfältigungen dieses Werkes zum Zwecke des Text und Data Mining vorzunehmen. ISBN 978-3-88579-596-4

Inhalt Einführung 1. Leistungssportförderung und Rahmentrainingskonzeption im DGV 10 1.1 Mission 12 1.2 Erfolgsziele 12 1.3 Einbettung in „Vision Gold“ 14 1.4 Leitmotive 15 1.5 Übergeordnete Grundsätze der Leistungssteuerung im DGV 15 1.6 Golf: eine lebenslange Sportbiografie 18 2. Der Spieler im Mittelpunkt 20 3. Rollen und Aufgaben 24 3.1 Athleten 26 3.2 Eltern 27 3.3 Trainer und Betreuer 30 3.4 Vereine und Anlagen 36 3.5 Landesgolfverband 38 3.6 Spitzenverband DGV 38 3.7 PGA of Germany 43 3.8 DOSB 43 3.9 Schulen und Ausbildungsstätten 44 Sportliche Grundlagen 4. Modell der Leistungssteuerung im Golf 46 4.1 Der Anforderungsorientierte Ansatz 48 4.2 Trainingssystematik 50 4.2.1 Anforderungen im Spiel 51 4.2.2 Die komplexe Spielkompetenz 53 4.2.3 Golfgerichtete Fähigkeiten 56 4.2.4 Golfgerichtete Fertigkeiten 57 4.2.5 Kompetenzpyramide 58 4.2.6 Kompetenzmodule 58 4.2.7 Technomotorische Kompetenzen 59 4.3 Druckbedingungen und förderliche Trainingsreize 61 4.4 Kompetenzprofile 63 4.5 Leistungsdiagnostik 66 4.5.1 Spielbeobachtung durch Trainer 68 4.5.2 Testverfahren in der Leistungsdiagnostik 69 4.5.3 Auswertung und Umsetzung der Ergebnisse 71

5. Trainingsprinzipien und Trainingsarten 72 5.1 Methodisch-didaktische Trainingsprinzipien 74 5.1.1 Emotionalisieren 74 5.1.2 Anpassen können 75 5.1.3 Aus und durch Differenzen lernen 76 5.1.4 Leistungsförderliche Aufgaben setzen 77 5.1.5 Das integrative Training mit Schwerpunktsetzung 78 5.1.6 Zielgerichtetes Handeln – jeder Schlag mit Intention 78 5.1.7 Selbststeuerung des Leistungsgolfers 79 5.2 Lehren und Lernen – kurz und bündig 81 5.3 Trainingsarten im Leistungsgolf 85 5.3.1 Voraussetzungstraining (VT) 85 5.3.2 Funktionelles Techniktraining (FTT) 86 5.3.3 Situatives Techniktraining (STT) 86 5.3.4 Situatives Aufgabentraining (SAT) 86 5.3.5 Wettkampfkompetenztraining (WT) 86 5.4 Performance im Wettkampf erzeugen: Übertrag vom Training in den Wettkampf 87 5.4.1 Beispiel einer Trainingseinheit mit Schwerpunktsetzung im Funktionellen Techniktraining 90 5.4.2 Beispiel einer Trainingseinheit zur Überführung der erlernten Technik auf den Platz 93 5.5 Periodisierung und Zyklisierung 95 5.5.1 Flexible Zyklisierung des golfspezifischen Trainingsprozesses – Trainingsplaneinheiten 96 5.5.2 Periodisierung eines Jahreszyklus – Charakteristik von Funktionen, Belastungen und Inhalten 97 5.5.3 Makrozyklusmodule – Charakteristik von Funktionen, Belastungen und Inhalten 98 5.5.4 Mikrozyklusmodule – Charakteristik von Funktionen, Belastungen und Inhalten 99 5.6 Wettkampfplanung 102 5.6.1 Grundsätze der Turnierplanung besonders im Nachwuchsleistungsgolf 102 5.6.2 Das World Amateur Golf Ranking (WAGR) – System, Bedeutung und Planungshinweise 105 5.6.3 Entwicklungsförderlicher Umgang mit Ranglisten 107 5.6.4 Wie komme ich auf die Tour? – Der Weg ins professionelle Golf 108

6. Talententwicklung, Kader der Verbände und Nominierungen 112 6.1 Talentansatz 114 6.1.1 Drei Dimensionen der Talenteinschätzung 116 6.1.2 Entwicklungsdynamik als zentrales Bewertungskriterium 117 6.1.3 Bedeutung der Trainerbeobachtung und pädagogischen Einordnung 117 6.1.4 Talentidentifikation als fortlaufender Prozess 118 6.1.5 Einbettung in übergeordnete Leitlinien 118 6.1.6 Inklusion und Talententwicklung im Golf 118 6.1.7 Talentsuche 119 6.2 Talentsuche und Talententwicklung im Golfclub 121 6.3 Netzwerk Talent – Sichtung, Transfer und 2nd Chance 122 6.4 Talentsuche und Talententwicklung in der Schule 124 6.5 Talententwicklung auf den Verbandsebenen 125 6.6 Talentauswahl und Kader in den Verbandsebenen 128 6.6.1 Landeskader 133 6.6.2 Nachwuchskader 2 135 6.6.3 Nachwuchskader 1 137 6.6.4 Perspektivkader 139 6.6.5 Olympiakader 141 7. Überblick über die Rahmentrainingskonzeption 142 7.1 Systemischer, komplexer Aufbau 144 7.2 Aufeinander aufbauende Entwicklungsstufen 145

Rahmentrainingspläne in 7 Etappen 8. Rahmentrainingspläne der einzelnen Entwicklungsstufen 148 8.1 Bewegen und Ausprobieren 152 8.1.1 Charakterisierung der Entwicklungsstufe 153 8.1.2 Training und Wettkampf 155 8.1.3 Begleitung und Umfeld 163 Zusammenfassung der Entwicklungsstufe 166 8.2 Spielen und Üben lernen 168 8.2.1 Charakterisierung der Entwicklungsstufe 169 8.2.2 Training und Wettkampf 172 8.2.3 Begleitung und Umfeld 197 Zusammenfassung der Entwicklungsstufe 200 8.3 Lernen und Trainieren 202 8.3.1 Charakterisierung der Entwicklungsstufe 203 8.3.2 Training und Wettkampf 207 8.3.3 Begleitung und Umfeld 228 Zusammenfassung der Entwicklungsstufe 232 8.4 Spezialisieren 234 8.4.1 Charakterisierung der Entwicklungsstufe 235 8.4.2 Training und Wettkampf 236 8.4.3 Begleitung und Umfeld 269 Zusammenfassung der Entwicklungsstufe 272 8.5 Vorbereiten der Höchstleistung 274 8.5.1 Charakterisierung der Entwicklungsstufe 275 8.5.2 Training und Wettkampf 276 8.5.3 Begleitung und Umfeld 300 Zusammenfassung der Entwicklungsstufe 304 8.6 Investieren und Perfektionieren 306 8.6.1 Charakterisierung der Entwicklungsstufe 307 8.6.2 Training und Wettkampf 308 8.6.3 Begleitung und Umfeld 326 Zusammenfassung der Entwicklungsstufe 328 8.7 Stabilisieren und Ausprägen 330 8.7.1 Charakterisierung der Entwicklungsstufe 331 8.7.2 Training und Wettkampf 332 8.7.3 Begleitung und Umfeld 346 Zusammenfassung der Entwicklungsstufe 348 Abbildungsverzeichnis/Bildnachweise/Literatur- und Quellenverzeichnis 350

Benutzerhinweise In der vorliegenden Rahmentrainingskonzeption begegnen Ihnen an einigen Stellen farblich hervorgehobene und kursiv geschriebene Hinweistexte in Form einer Textbox. Insgesamt gibt es drei Arten von Hinweistexten, die jeweils durch unterschiedliche Symbole gekennzeichnet werden: Geschlecht Die in der DGV-Rahmentrainingskonzeption verwendeten Personenbezeichnungen beziehen sich stets auf alle Geschlechter, sofern nicht ausdrücklich anders angegeben. Bei der „Information“ handelt es sich um Erklärungen, Ergänzungen oder Beispiele zum Text der Rahmentrainingskonzeption. Der „Tipp“ ist ein handlungsorientierter Ratschlag, den die Trainer direkt bei ihrer täglichen Arbeit berücksichtigen und umsetzen können. Die „Traineraufgabe“ bezieht sich im Gegensatz zum „Tipp“ weniger auf die praktische Umsetzung im Training, als vielmehr auf eine generelle Verantwortung bzw. Aufgabe der Trainer. Sie stellt Erkenntnisse dar, die ein Trainer stets im Blick behalten sollte. Liebe Leserinnen und Leser, überall dort, wo Sie in dieser Rahmentrainingskonzeption einen QR-Code finden, stehen Ihnen ergänzende Dokumente und weiterführende Informationen digital zur Verfügung.

DGV-RAHMENTRAININGSKONZEPTION 12 1 LEISTUNGSSPORTFÖRDERUNG UND RAHMENTRAININGSKONZEPTION IM DGV 1. LEISTUNGSSPORTFÖRDERUNG UND RAHMENTRAININGSKONZEPTION IM DGV 1.1 MISSION Die Rahmentrainingskonzeption ist in die jeweils aktuelle übergeordnete Sportkonzeption des DGV eingebettet und verfolgt deren Ziele und Visionen: • Herausragende Erfolge im Leistungssport (Spitzenposition im internationalen Golfsport) • Hohe Attraktivität im Breitensport (Faszination Golf) • Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung (Motivation zur Bewegung – Begeisterung für lebenslangen Sport – pädagogischer Auftrag) • Positives Image und attraktive Außendarstellung des Golfsports 1.2 ERFOLGSZIELE Die Erfolgsziele des Deutschen Golf Verbandes beschreiben die langfristige sportliche Zielperspektive des deutschen Golfsports im internationalen Vergleich. Sie dienen als Orientierungsrahmen für die strategische Ausrichtung im Hochleistungs- und Nachwuchsleistungssport. Der Deutsche Golf Verband verfolgt das Ziel, Athletinnen und Athleten nachhaltig in der internationalen Spitze des Golfsports zu etablieren. Grundlage hierfür ist eine langfristig angelegte, individuell ausgerichtete Leistungsentwicklung, die sich an den Anforderungen des internationalen Spitzengolfs orientiert. Erfolg wird dabei nicht ausschließlich über einzelne Ergebnisse definiert, sondern im Zusammenspiel von Ergebnisqualität, Leistungsfähigkeit und nachhaltiger Entwicklungsdynamik verstanden. Die Erfolgsziele werden daher auf mehreren Ebenen formuliert und umfassen Ergebnis-, Leistungs- und Prozessziele, die in enger Beziehung zueinander stehen. Strategische Erfolgsziele Ziel ist eine kontinuierliche und nachhaltige Präsenz deutscher Spielerinnen und Spieler im Bereich der internationalen Spitze. Diese Zielsetzung umfasst sowohl die Etablierung auf höchstem Leistungsniveau als auch die Fähigkeit, regelmäßig in entscheidenden internationalen Wettkämpfen erfolgreich zu sein. Herausragende Einzelerfolge werden dabei als Ausdruck einer funktionierenden Leistungsentwicklung verstanden, nicht als isolierte Einzelziele. Dies zeigt sich insbesondere in: • regelmäßigen Spitzenplatzierungen bei internationalen Meisterschaften im Amateur- und Profibereich, • der Etablierung deutscher Athletinnen und Athleten auf führenden internationalen Touren, • der kontinuierlichen Teilnahme an hochrangigen internationalen Wettbewerben, • sowie herausragenden Einzelerfolgen wie Medaillen bei Olympischen Spielen, Major-Siegen oder Teilnahmen an Formaten wie Ryder Cup und Solheim Cup.

DGV-RAHMENTRAININGSKONZEPTION 13 Internationale Wettbewerbsfähigkeit Angestrebt wird eine kontinuierliche Positionierung Deutschlands unter den führenden Golfnationen Europas und der Welt. Internationale Wettbewerbsfähigkeit wird dabei als Ergebnis einer langfristigen, systematischen Leistungsentwicklung eingeordnet und zeigt sich in der Fähigkeit, sich dauerhaft im Vergleich mit den leistungsstärksten Nationen zu behaupten. Dies wird besonders sichtbar durch: • regelmäßige vordere Platzierungen bei internationalen Mannschafts- und Einzelwettbewerben, • eine stabile Präsenz deutscher Athletinnen und Athleten in internationalen Rankings, • sowie eine kontinuierliche Konkurrenzfähigkeit gegenüber den führenden Nationen. Nachwuchsentwicklung Der Nachwuchsleistungssport bildet die zentrale Grundlage für die nachhaltige Entwicklung des deutschen Golfsports. Ziel ist die kontinuierliche Entwicklung international konkurrenzfähiger Spielerinnen und Spieler, die perspektivisch in der Lage sind, sich im internationalen Amateur- und später im Profibereich zu etablieren. Im Mittelpunkt steht dabei die langfristige Entwicklung individueller Leistungsvoraussetzungen und Potenziale. Dies zeigt sich insbesondere in: • regelmäßigen Spitzenplatzierungen bei internationalen Nachwuchsmeisterschaften, speziell auf europäischer Ebene, • der erfolgreichen Teilnahme an internationalen Vergleichswettkämpfen, • sowie der Entwicklung von Leistungsprofilen, die den Anschluss an die internationale Amateurspitze ermöglichen. Übergang in den professionellen Hochleistungsbereich Ein zentrales Ziel des deutschen Golfsystems ist die nachhaltige Heranführung von Spitzentalenten an den professionellen Hochleistungsbereich. Der Übergang vom Amateur- in den Profibereich wird als eigenständige und besonders anspruchsvolle Entwicklungsphase verstanden, die gezielte Unterstützung und individuelle Steuerung erfordert. Dies umfasst im Besonderen: • die Entwicklung von Athletinnen und Athleten mit realistischen Perspektiven für internationale Touren, • die gezielte Vorbereitung auf die Anforderungen des professionellen Golfsports, • sowie die erfolgreiche Gestaltung des Übergangs vom Amateur- in den Profibereich.

3 ROLLEN UND AUFGABEN DGV-RAHMENTRAININGSKONZEPTION 30 3.3 TRAINER UND BETREUER Bedeutung und Verantwortung der Trainerrolle Trainerinnen und Trainer nehmen im langfristigen Leistungsaufbau eine zentrale Schlüsselrolle ein. Sie gestalten maßgeblich die Trainings- und Wettkampfprozesse und tragen eine unmittelbare Verantwortung für die sportliche, persönliche und soziale Entwicklung der Athletinnen und Athleten. Als wichtigste Bezugspersonen im Trainingsalltag prägen sie nicht nur Leistungsprozesse, sondern auch Haltung, Werte und Orientierung. Diese Aufgabe ist eingebettet in ein zunehmend komplexes Leistungssportsystem. Trainer übernehmen neben sportfachlichen auch pädagogische, organisatorische und koordinierende Funktionen. Sie arbeiten in interdisziplinären Teams mit Assistenztrainern, Athletiktrainern, Sportpsychologen, Physiotherapeuten und weiteren Experten zusammen und sorgen für klare Rollenverteilungen, abgestimmte Inhalte und transparente Kommunikation – stets mit dem Athleten im Mittelpunkt. Die Anforderungen an Trainer im Golf-Leistungssport sind entsprechend vielschichtig. Professionelle Handlungskompetenz entsteht aus fundierter Ausbildung, kontinuierlicher Weiterentwicklung, praktischer Erfahrung und der Fähigkeit zur kritischen Selbstreflexion. Professionelle Handlungskompetenz Trainerinnen und Trainer übernehmen über alle Lizenzstufen hinweg Verantwortung für die gezielte Gestaltung von Lern-, Trainings- und Entwicklungsprozessen. Unabhängig vom Einsatzfeld – vom Einstiegstraining bis zum Hochleistungssport – besteht ihre zentrale Aufgabe darin, Entwicklung langfristig wirksam zu steuern. Die Rahmentrainingskonzeption folgt dabei einem kompetenzorientierten Trainerverständnis. Ziel der Trainerausbildung ist nicht die isolierte Vermittlung von Fachwissen, sondern der systematische Aufbau professioneller Handlungskompetenz. Diese zeigt sich in der Fähigkeit, sportliche, pädagogische und organisatorische Anforderungen situationsangemessen zu verknüpfen und konsequent am Entwicklungsstand der Athletinnen und Athleten auszurichten. Trainerinnen und Trainer steuern Lehr- und Lernprozesse entwicklungslogisch, individuell und reflektiert. Sie erkennen Lernvoraussetzungen, Entwicklungsverläufe und Belastungsreaktionen, ordnen diese ein und leiten daraus passende Maßnahmen ab. Mit zunehmender Lizenzstufe steigt dabei die Komplexität der Aufgaben – von der sicheren Gestaltung grundlegender Lernumgebungen bis zur strategischen Koordination ganzheitlicher Betreuungssysteme im Leistungs- und Hochleistungssport. Ein zentrales Element professioneller Trainerkompetenz ist die diagnostische und reflexive Fähigkeit. Neben technischen und konditionellen Aspekten werden Motivation, Lernverhalten, Selbstregulation, Belastbarkeit und soziale Einbindung systematisch berücksichtigt. Auf dieser Basis entsteht ein Trainingsklima, das Vertrauen, Eigenverantwortung und langfristige Leistungsbereitschaft fördert. Die kompetenzorientierte Trainerausbildung des Deutschen Golf Verbandes und die Ausbildung der PGA of Germany sind darauf ausgerichtet, Trainerinnen und Trainer schrittweise zu befähigen, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu begründen und das eigene Handeln kritisch zu reflektieren. Lernen wird dabei als kontinuierlicher Prozess verstanden – für Athletinnen und Athleten ebenso wie für Trainer selbst.

DGV-RAHMENTRAININGSKONZEPTION 31 Langfristige Perspektive und Entwicklungsverantwortung Zentrales Orientierungsprinzip professionellen Trainerhandelns ist die langfristige Perspektive. Trainer sind gefordert, ihre Entscheidungen konsequent daran auszurichten, wo sich ihre Athletinnen und Athleten in mehreren Jahren befinden sollen – sportlich, persönlich und sozial. Kurzfristige Erfolge dürfen dabei niemals über nachhaltige Entwicklung gestellt werden. Erfolg im Golf-Leistungssport entsteht nicht isoliert, sondern im Kontext einer gewachsenen Sport- und Wettkampfkultur. Trainer tragen eine wesentliche Verantwortung dafür, diese Kultur aktiv mitzugestalten, vorzuleben und weiterzuentwickeln. Dabei steht stets der Athlet im Mittelpunkt des Handelns – nicht Programme, Systeme oder kurzfristige Resultate. Mit zunehmender Leistungsorientierung gewinnt zudem die soziale Integration der Athletinnen und Athleten weiter an Bedeutung. Trainer schaffen Entwicklungsräume, in denen sportliche Ambitionen, schulische oder berufliche Anforderungen sowie soziale Bedürfnisse in ein tragfähiges Gleichgewicht gebracht werden können. Das Spiel als zentraler Bezugspunkt des Coachings Der zentrale Bezugspunkt allen Trainerhandelns bleibt das Spiel selbst – Golf, so wie es gespielt wird. Training erhält seinen Wert nicht durch Komplexität oder technische Raffinesse, sondern durch seine Übertragbarkeit auf reale Spielsituationen. Gutes Training führt zu eigenständigem Training. Es befähigt Athletinnen und Athleten, Inhalte selbstständig weiterzuentwickeln, Verantwortung zu übernehmen und auch außerhalb betreuter Einheiten sinnvoll zu arbeiten. Zentrales Instrument hierfür sind gut gestellte Aufgaben: Aufgaben, die herausfordern, Denkprozesse anregen, Entscheidungen erzwingen und eigenständige Lösungsfindung ermöglichen. Motivation, Aufmerksamkeit und Lernkultur Nachhaltiges Training erfordert eine tiefe inhaltliche Auseinandersetzung mit der Sportart sowie eine hohe intrinsische Motivation. Eine zentrale Aufgabe von Trainerinnen und Trainern besteht darin, diese Motivation zu wecken, zu stabilisieren und insbesondere in anspruchsvollen Entwicklungsphasen zu schützen. In einer Zeit zunehmender digitaler Ablenkung sind Trainer verstärkt gefordert, Lernumgebungen zu gestalten, die Konzentration, Präsenz und vertieftes Arbeiten ermöglichen. Leistungswirksame Lernprozesse entstehen dort, wo Aufmerksamkeit gebündelt, Sinn vermittelt und Eigenverantwortung gefördert wird. Trainer gestalten damit nicht nur Trainingsinhalte, sondern prägen aktiv die Lern- und Leistungskultur im Golfsport. Ihre professionelle Handlungskompetenz ist ein entscheidender Faktor dafür, ob Athletinnen und Athleten ihr Potenzial langfristig entfalten können. Rollenverteilung und Kooperation in der Trainerschaft Nachhaltige Leistungsentwicklung im Golf ist das Ergebnis eines koordinierten Zusammenwirkens mehrerer Personen und Rollen. Der Deutsche Golf Verband versteht Trainerarbeit daher ausdrücklich als Teamaufgabe. Pädagogisch wirksamer Erfolg entsteht dort, wo Trainerinnen und Trainer ihre Verantwortung nicht isoliert wahrnehmen, sondern gemeinsam Entwicklungsprozesse gestalten – mit klarer Rollenverteilung, gegenseitiger Wertschätzung und einer gemeinsamen Haltung gegenüber Lernen, Leistung und Persönlichkeitsentwicklung. Im Zentrum dieser Zusammenarbeit steht stets der Athlet als lernender, sich entwickelnder Mensch. Alle Maßnahmen, Entscheidungen und Interventionen sind konsequent an seiner langfristigen Entwicklung auszurichten.

4 MODELL DER LEISTUNGSSTEUERUNG IM GOLF 4. MODELL DER LEISTUNGSSTEUERUNG IM GOLF 4.1 DER ANFORDERUNGSORIENTIERTE ANSATZ Golf ist ein Spielsport. Deshalb verfolgen wir in der aktuellen Rahmentrainingskonzeption den Ansatz, direkt aus den tatsächlichen Anforderungen des Spiels die Trainingssteuerung abzuleiten, damit die zu entwickelnden Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen ihren golfspezifischen Charakter sowie einen hohen Praxisbezug erhalten. Dabei sind die wesentlichen Anforderungen herauszufiltern, zu differenzieren und zu kategorisieren (siehe Abbildung 4.1). Diese Anforderungen, umgesetzt und gestaltet als sogenannte Druckbedingungen, steuern und regeln das Training. Sie entwickeln hierdurch im langfristigen Trainingsprozess die komplexe Spielkompetenz. Physische Belastung Psychische Belastung Informationsverarbeitung Bewegungsaufgaben Situationsbewältigung Zielpräzision Abb. 4.1: Anforderungen des Golfspiels Die Anforderungen, die das Spiel auf dem Golfplatz kennzeichnen, befinden sich in einer ständigen Wechselwirkung mit der komplexen Spielkompetenz des Golfspielers. In Abbildung 4.2 veranschaulichen wir dieses Spannungsfeld und den dynamischen Dialog des „einen“ mit dem „anderen“ in Form einer liegenden Acht und einer Endlosschleife: Auf dem Golfplatz sieht sich der Golfspieler mit wechselnden, komplexen Anforderungen konfrontiert, die jeweils eine optimale technomotorische Lösung erfordern, die sich an den individuellen golfspezifischen Fertigkeiten und Fähigkeiten (Kompetenzen) orientiert. Diese differenzierbaren und kategorisierbaren Anforderungen können als sogenannte Druckbedingungen für das praktische Training aufbereitet werden. Für den sportlichen Erfolg wird ein individuelles Kompetenzlevel angestrebt, das sich im jeweiligen Wettkampf höher als das zu erwartende Anforderungslevel darstellt. DGV-RAHMENTRAININGSKONZEPTION 48

TRAININGSEBENE WETTKAMPFEBENE Anforderungen aus dem Spiel Kompetenzen für das Spiel Das sukzessive Anheben dieses Kompetenzlevels wird in einem pädagogisch verantwortungsvollen und langfristigen Trainingsprozess angesteuert. Dabei führen Trainingsprinzipien und Handlungsleitlinien (siehe Kapitel 5) durch die verschiedenen Entwicklungsstufen der Athleten. Durch die Gestaltung und Wahl entwicklungs- und leistungsgerechter Trainingsformen und Trainingsinhalte werden in einer Kombination mit der individuellen Reiz- bzw. Belastungsgestaltung (Erleichtern/Erschweren) immer wieder neu abgestimmte, herausfordernde Trainingsaufgaben realisiert. Dafür muss der Athlet jeweils eine für sich optimale technomotorisch-taktische Lösung finden. Diese tiefe Wechselbeziehung und den dynamischen Dialog der beiden verwobenen Steuerungsbereiche Trainingsinhalte und Trainingsbelastung haben wir wieder durch eine Endlosschleife dargestellt, diesmal in Form einer aufrecht gestellten Acht, siehe Abbildung 4.3. Die Zielstellung eines jeden Athleten ist, in diesen großteilig informellen Lehr- und Lernprozessen ein individuelles und breites Kompetenzspektrum zu erlangen. Ein erfolgreicher Trainingsprozess muss die o.g. Prozesse auf Wettkampfebene und Trainingsebene, bildlich die beiden Acht-Schleifen, in eine leistungsförderliche Beziehung zueinander bringen. In das permanente und „unendliche“ Spannungsfeld von Anforderungen und Spielkompetenz (blaue Acht) wirkt das vielseitig, variabel und Abb. 4.2: Modell der Leistungssteuerung, Wettkampfebene Abb. 4.3: Modell der Leistungssteuerung, Trainingsebene spielwirksame Trainingsformen entwickeln und ausgestalten durch individuelle Belastungsregelung optimale Trainingsreize setzen DGV-RAHMENTRAININGSKONZEPTION 49

5 TRAININGSPRINZIPIEN UND TRAININGSARTEN 5. TRAININGSPRINZIPIEN UND TRAININGSARTEN 5.1 METHODISCH-DIDAKTISCHE TRAININGSPRINZIPIEN Der Deutsche Golf Verband unterlegt seinen Ausbildungsprozess mit den im Folgenden dargestellten charakterisierenden und leitenden Trainings- und Ausbildungsprinzipien. Jede einzelne Trainingsmaßnahme sollte möglichst im Einklang mit den folgenden Grundsätzen durchgeführt werden: Emotionalisieren, zielgerichtet handeln, anpassen können, aus und durch Differenzen lernen, leistungsförderliche Aufgaben setzen, integrativ und mit klaren Schwerpunkten trainieren sowie die Selbststeuerung des Leistungsgolfers fördern. Abb. 5.1: Traineraufgabe – Emotionalisieren 5.1.1 EMOTIONALISIEREN Die Effektivität, Größe, Bedeutsamkeit und Nachhaltigkeit individueller Lern-, Trainings- und Wettkampferfolge im Golf hängt davon ab, ob und wie eine entsprechende Lern- und Trainingsatmosphäre gestaltet wird sowie, dass ein individuelles Aktivitäts- und Erregungsniveau hergestellt wird. Insbesondere bei Aufgabenstellungen mit permanenten Unter- oder Überforderungen kann eine schlechte emotionale Steuerung zu verzögerten Entwicklungsverläufen, zu Drop-out oder zu psycho-physischen Schädigungen führen. Eine gut geplante Trainingseinheit führt zusammen mit der entsprechenden individualisierten Emotionalisierung dagegen zum gewünschten Effekt. PSYCHO-PHYSISCHER ZUSTAND UND PERFORMANCE DGV-RAHMENTRAININGSKONZEPTION 74

5.1.2 ANPASSEN KÖNNEN Im langfristigen Leistungsaufbau im Golfsport kommt der Entwicklung der Anpassungsfähigkeit eine wesentliche Bedeutung zu. Im Hochleistungsbereich müssen druckstabile, variabel verfügbare Techniken vorausgesetzt werden. Die Fähigkeit, die verschiedensten, wechselnden Bedingungen in den verschiedensten Situationsaufgaben während einer „Golfrunde“ mit einer exakt passenden, erfolgversprechenden Bewegungslösung zu beantworten, ist hochgradig leistungs- und erfolgsbestimmend. Anpassungsfähigkeit ist jedoch nicht nur auf dem Platz entscheidend. Sie ist eine grundlegende Voraussetzung für Hochleistungssport insgesamt. Athleten müssen sich bspw. flexibel auf wechselnde Startzeiten (früh oder spät), veränderte Essenszeiten, Reisen, Zeitverschiebungen und unterschiedliche Golfplatz-Charakteristika einstellen. Die Fähigkeit, auch unter diesen äußeren Umständen physisch, mental und emotional stabil zu bleiben und leistungsfähig zu handeln, ist ein zentrales Unterscheidungsmerkmal im Spitzensport. Das Verständnis von Anpassungsfähigkeit erweitert hier den ursprünglich im Sport verwendeten Begriff der koordinativen motorischen Anpassungsfähigkeit auch auf das der kognitiven und psychischen Prozesse. Die Annahme dieser Erkenntnis führt auch zur Auswahl und Entwicklung des situativen und anforderungsorientierten Ansatzes als übergeordnetes Verständnis für die Trainingssteuerung im DGV (siehe auch Kap. 4.1). Abb. 5.2: Anpassen Können KERNKOMPETENZ GOLF – ANPASSEN LEHREN UND LERNEN KÖNNEN! Aufgabe des verantwortlichen Trainers ist es, Person, Aufgabe, Umwelt und Beziehung so aufeinander abzustimmen, dass ein emotional unterstützendes und leistungsförderndes Umfeld entsteht. DGV-RAHMENTRAININGSKONZEPTION 75

7. ÜBERBLICK ÜBER DIE RAHMENTRAININGSKONZEPTION 7.1 SYSTEMISCHER, KOMPLEXER AUFBAU Training, Wettkampf und Förderung im leistungsorientierten Golf haben sich in den letzten Jahren durch die internationale Konkurrenzsituation sehr verändert und stark verbessert. Die Entwicklungsverläufe von Golfathleten und deren Leistungssteuerung und Förderung sind zunehmend aufwändig und hochkomplex. Nur ein zielgerichteter, ganzheitlicher und planvoller, von Analysen, Diagnostik und Dokumentation begleiteter Wechsel von Wettkampf und Training (in kurz-, mittel- und langfristiger Hinsicht) schafft die Voraussetzungen zukünftiger Spitzensporterfolge. In unserer Rahmentrainingskonzeption werden sowohl die unterschiedlichen psycho-physischen Entwicklungsverläufe junger Menschen berücksichtigt, aktuelle pädagogische und methodisch-didaktische Erkenntnisse verarbeitet, als auch die trainingspraktischen Erkenntnisse mit dem sportwissenschaftlichen Stand zusammengeführt. Bei aller notwendigen Individualität müssen Training, Wettkampf und Förderung darin von Beginn an eine systematische Struktur haben und, ganz wesentlich, berücksichtigen, dass eine moderne, effektive Leistungssteuerung weit über den originären Trainings- und Coaching-Begriff hinausgeht. Es gehört weit mehr dazu, als die allzu oft zitierten 10.000 Stunden qualitativen Trainings, um an die Spitze zu kommen und dort zu bleiben. In der Leistungssteuerung sind Entwicklungsabschnitte zwar auch chronologisch (wegen der nationalen und internationalen Wettkampfsystematik) und biologisch (Stichworte: sensible Phasen und biologisches vs. kalendarisches Alter) zu differenzieren. Vor allem sind sie aber als individuelle Kompetenzstufen in einer Weise zu gestalten, dass an den Übergängen vielfältige förderliche Herausforderungen als Meilensteine • die nächste Stufe einleiten • und damit auch die Überzeugung von der eigenen Selbstwirksamkeit im Athleten sensibel entwickeln helfen. Der langfristige Leistungsaufbau vom Beginner bis zum Hochleistungsgolfer ist ein hochkomplexer Entwicklungsprozess und wird im Idealfall von einer permanenten individuellen Steuerung und Regelung mit stets abgestimmten Maßnahmen hohen Wirkungsgrades begleitet. Jede Ausbildungsetappe ist sowohl von golfsportspezifischen Anforderungen (z.B. nationales und internationales Wettkampfsystem), von unterschiedlichen Umfeld-Bedingungen, insbesondere aber von einer jeweils unterschiedlichen biologischen Entwicklungsdynamik der jungen Golfer geprägt. DGV-RAHMENTRAININGSKONZEPTION 144 7 ÜBERBLICK ÜBER DIE RAHMENTRAININGSKONZEPTION

7.2 AUFEINANDER AUFBAUENDE ENTWICKLUNGSSTUFEN Auf Basis der bekannten Modelle zum angesprochenen langfristigen Aufbau (vor allem: DOSB-Nachwuchsleistungssportkonzeption 2020 in Verbindung mit den Leipziger Positionen, siehe dazu die Ausführungen in Kapitel 6), haben wir eine siebenphasige Struktur für die DGV-Rahmentrainingskonzeption abgeleitet und jede Entwicklungsstufe mit einer Leitidee versehen. Der Aufbau ist in Abbildung 7.1 dargestellt: Die Visualisierung der sieben Entwicklungsstufen soll zum Ausdruck bringen: • den Entwicklungsweg als Prozess, mit feststehender Reihenfolge und Entwicklungsschritten, aber nicht als starre Schritte (und am Alter orientierten), sondern am jeweiligen Entwicklungsstadium angepasst, • die „weichen“, fließenden Übergänge zwischen den Entwicklungsstufen, dennoch mit klaren sprachlich gefassten Entwicklungsgrundsätzen, • den Orientierungsrahmen für jeden Spieler und jede Stufe seiner Entwicklung. Eine grundsätzliche Zuordnung der DGV-Entwicklungsstufen zu den Etappen in den bekannten allgemeinen Modellen des langfristigen Leistungsaufbaus (wie z. B. dem Nachwuchsleistungssportkonzept des DOSB) ist ohne Weiteres möglich, wie Abbildung 7.2 im Folgenden zeigt. Abb. 7.1: Entwicklungsstufen in der DGV-RTK Bewegen und Ausprobieren Spielen und Üben lernen Lernen und Trainieren Spezialisieren Vorbereiten der Höchstleistung Investieren und Perfektionieren Stabilisieren und Ausprägen DGV-RAHMENTRAININGSKONZEPTION 145

8.1 „BEWEGEN UND AUSPROBIEREN“ Allgemeine Grundausbildung, bis 6 Jahre Bewegen und Ausprobieren Spielen und Üben lernen Lernen und Trainieren Spezialisieren Vorbereiten der Höchstleistung Investieren und Perfektionieren Stabilisieren und Ausprägen DGV-RAHMENTRAININGSKONZEPTION 152 8 RAHMENTRAININGSPLÄNE DER EINZELNEN ENTWICKLUNGSSTUFEN

Die erste Entwicklungsstufe legt das Fundament für eine langfristige und gesunde Leistungsentwicklung im Golfsport. In dieser frühen Phase des Kindesalters steht nicht das sportartspezifische Können im Mittelpunkt, sondern die Ausbildung einer breiten, positiven und ganzheitlichen Bewegungserfahrung. Kinder in diesem Alter lernen durch Exploration, Spiel und Wiederholung – getragen von Neugier, Bewegungsfreude und emotionaler Sicherheit. Das Bewegungsverhalten im Vorschulalter ist geprägt von hoher Spontaneität, variabler Ausführung und großer Bewegungsfreude. Die Kinder entwickeln grundlegende motorische Fähigkeiten wie Laufen, Springen, Balancieren, Werfen oder Rollen – zunächst in ungerichteter, aber zunehmend komplexer werdender Form. Dabei stehen Bewegungserfahrung und -vielfalt im Vordergrund, nicht Bewegungspräzision oder Technik. Diese Erfahrungen sind keine „Vorphase” des Trainings, sondern die Voraussetzung für alles, was sportlich folgen kann: Koordinative Basisfähigkeiten, Körperwahrnehmung und Bewegungssteuerung sind jene Bausteine, aus denen später sportartspezifische Fertigkeiten entstehen. In der Altersgruppe bis ca. 6 Jahre steht der Golfsport nicht im Mittelpunkt – wohl aber kann er ein bewegungsfördernder Erlebnisraum sein. Vereine, die ein altersangemessenes „Bambinitraining“ oder ein freies Bewegungsangebot im Golfumfeld anbieten, schaffen damit eine erste emotionale Verbindung zur Sportart. Golfspezifische Elemente wie Schlägerhaltung oder Ballflug dürfen hier auftauchen, sollen aber niemals im Zentrum stehen. Das Motto lautet vielmehr: „Bewegen und Ausprobieren im Kontext von Golf“. Die Golfbewegung selbst wirkt in diesem Alter noch wenig flüssig und ist durch „Luxusbewegungen“ und Nebenaktivitäten geprägt. Das ist entwicklungsphysiologisch völlig normal. Gleichwohl zeigen sich erste individuelle Geschicklichkeitsmomente – etwa in der Fähigkeit, durch reine Intuition einen Ball ins Rollen zu bringen. Kinder in dieser Entwicklungsstufe zeigen eine rasche Zunahme in Bereichen wie Reaktionsschnelligkeit, Beweglichkeit und einfacher Koordination. Die muskuläre Entwicklung, insbesondere im Bereich von Rumpf, Schultergürtel und Armen, ist jedoch noch nicht ausgereift. Dennoch ermöglichen die hohe aerobe Anpassungsfähigkeit und der ausgeprägte Spieltrieb lange Bewegungsphasen mit nur kurzen Erholungsintervallen. Kinder scheinen „unermüdlich“, solange der Spielreiz erhalten bleibt. Das Bewegungsangebot in dieser Stufe ist vielfältig, offen, explorativ und spielerisch. Es orientiert sich an der Lebenswelt der Kinder – mit hohem Aufforderungscharakter, freien Bewegungsräumen, kreativen Spielmaterialien und sozialem Miteinander. Kinder sollen nicht „trainiert“ werden, sondern sich im besten Sinne „bewegen dürfen“. Lautstärke, Chaos, Pausen und Wiederholungen sind kein Störfaktor, sondern Ausdruck kindgerechter Lernprozesse. Trainer in dieser Stufe sind weniger „Vermittler von Technik“, sondern Beziehungs- und Entwicklungsbegleiter. Sie benötigen pädagogisches Gespür, entwicklungspsychologisches Verständnis und die Fähigkeit, Lernräume sicher, anregend und individuell gestaltbar zu machen. 8.1.1 CHARAKTERISIERUNG DER ENTWICKLUNGSSTUFE DGV-RAHMENTRAININGSKONZEPTION BEWEGEN UND AUSPROBIEREN bis 6 Jahre 153

Das Lernen erfolgt in dieser Altersstufe vor allem über Nachahmung und Interaktion. Erste soziale Kompetenzen wie Rücksichtnahme, Regelverhalten, Kooperation und Perspektivübernahme können spielerisch angelegt und gefördert werden. Auch Inklusion ist in diesem Alter besonders gut möglich: Kinder mit körperlichen oder kognitiven Beeinträchtigungen profitieren von bewegungsorientierter Gruppenaktivität und positiven Beziehungserfahrungen. Spezielles Equipment kann helfen, Barrieren abzubauen. Kinder, die in dieser Stufe vielfältige und freudvolle Bewegungserfahrungen machen, entwickeln eine hohe körperliche Sicherheit, emotionale Bindung an Bewegung und ein wachsendes Zutrauen in das eigene Können. Diese drei Faktoren bilden die Voraussetzung für den nächsten Schritt: „Spielen und Üben Lernen“, in dem erste Golftechniken, strukturierte Spielformen und kindgerechte Wettkampferfahrungen eingeführt werden können – auf der Basis von Sicherheit, Motivation und Beziehungsstärke. KOMPETENZBEREICHE MIT BESONDERER BEDEUTUNG IN DIESER ENTWICKLUNGSSTUFE In dieser frühen Phase geht es um die Schaffung vielfältiger Bewegungserfahrungen. Das Kind steht mit all seinen motorischen, kognitiven und emotionalen Anlagen im Zentrum. Spielerisches Handeln, Explorationsfreude und Bewegungsvielfalt bilden die Basis für spätere sportliche Entwicklung. • Bewegungsfreude und Explorationsfähigkeit: Kinder sollen erfahren, dass Bewegung Spaß macht und ihnen erlaubt, die Welt zu entdecken. Durch kreative, nicht normierte Bewegungsformen (Rollen, Balancieren, Springen, Laufen etc.) wird die natürliche Bewegungsfreude erhalten und verstärkt. Ziel ist die Ausbildung einer intrinsischen Motivation für körperliche Aktivität, die als stabile Grundlage für spätere Trainingsphasen dient. • Körper- und Raumwahrnehmung: Die Kinder lernen, ihren Körper gezielt zu bewegen und in Beziehung zu Raum, Objekten und anderen Menschen zu setzen. Durch vielseitige, offene Aufgabenstellungen wird das kinästhetische Bewusstsein geschult. Dies ist Voraussetzung für das Erlernen von Koordination und Technik in späteren Phasen. • Soziales Grundverhalten: Erste soziale Erfahrungen im Gruppensport (z. B. Teilen, Warten, Regeln akzeptieren) fördern den Aufbau eines sozialen Orientierungsrahmens. Diese Basiskompetenz ist essenziell für die spätere Zusammenarbeit im Trainings- und Wettkampfumfeld. • Anbahnung von Spielverständnis: Durch einfache Spielhandlungen mit Zielen und Aufgaben entwickeln Kinder ein erstes Verständnis von Spielstruktur, Absicht und Wirkung. So wird früh die Grundlage für taktisches Denken gelegt, ohne dass formale Regeln im Vordergrund stehen. DGV-RAHMENTRAININGSKONZEPTION 154 8 RAHMENTRAININGSPLÄNE DER EINZELNEN ENTWICKLUNGSSTUFEN

8.1.2 TRAINING UND WETTKAMPF ORIENTIERUNGSWERTE ZUR LEISTUNGSSTEUERUNG Im Einstiegsalter gilt es Kinder anzuregen, dass sie vielseitige Bewegungsangebote wahrnehmen und darin Möglichkeiten schaffen, Körperbewegungen einer Spielidee folgen zu lassen. Spielfreude und die Lust am Ausprobieren sind beste Grundlagen für eine sportive Zukunft von Kindern. Spiel und Spaß stehen absolut im Vordergrund! Eine bis drei Stunden „Training“ in der Woche erweisen sich in diesem Alter als ideal. Diese Angaben beziehen sich logischerweise auf die eher 5- bis 6-jährigen Kinder dieser Entwicklungsstufe. Das Training sollte besonders in dieser Altersklasse fast ausschließlich betreut stattfinden. Optimal ist ein Training mit den ganz Kleinen vor allem in der Zeit zwischen Frühjahr und Herbst. Jedoch können im Hinblick auf das Ganzjahrestraining die Übungszeiten auch in den Herbst- und Wintermonaten in einer Halle oder im Clubhaus durchgeführt werden. Das soll nicht bedeuten, dass in dieser Phase schon ganzjährig trainiert wird, sondern durch Krankheit, Ferien und organisatorische Maßnahmen verteilen sich die Übungszeiten über das ganze Jahr. Abb 8.1.2 Anteile von Training und Wettkampf BALANCE TRAINING UND WETTKAMPF Anteil Training Anteil Wettkampf Allg. Grundausbildung (AGA) Bewegen & Ausprobieren Grundlagentraining (GLT) Spielen & Üben lernen Aufbautraining I (ABT 1) 9/10-12 Jahre Lernen & Trainieren Aufbautraining I (ABT 1) 12/14-15 Jahre Lernen & Trainieren Aufbautraining II (ABT2) Spezialisieren Anschlusstraining (AST) 16/17 Jahre Vorbereiten der Höchstleistung Anschlusstraining (AST) ab 18/nach Schulzeit Vorbereiten der Höchstleistung Hochleistungstraining I (HLT 1) Investieren & Perfektionieren Hochleistungstraining II (HLT 2) Stabilisieren und Ausprägen 100% 80% 70% 60% 60% 60% 50% 30% 25% 20% 30% 40% 40% 40% 50% 70% 75% Empfohlene Trainingszeit: 1-3 Stunden pro Woche Stunden je Bereich Abb. 8.1.1 Umfänge in der Entwicklungsstufe „Bewegen und Ausprobieren“ Golftraining Athletiktraining Mentales Training 1-3 Stunden Die Angaben in allen Abbildungen dieses Kapitels dienen als Orientierung. Individualität, besondere Gegebenheiten und die Einschätzung der Trainer müssen berücksichtigt werden und können so zu Abweichungen führen. DGV-RAHMENTRAININGSKONZEPTION BEWEGEN UND AUSPROBIEREN bis 6 Jahre 155

Trainingsempfehlungen Langes Spiel / Voller Schwung (Grundlagentraining): 1. Bewegungsqualität priorisieren: Rhythmus, Gleichgewicht und Koordination vor Schlagweite oder Präzision stellen. 2. Ganzkörperbewegung fördern: Übungen nutzen, bei denen der Körper den Schläger führt (z.B. Schwung- und Wurfbewegungen). 3. Technik funktional einsetzen: Griff, Stand, Ausrichtung und Ballposition regelmäßig überprüfen – ohne Detailüberladung. 4. Treffgefühl schulen: Ballflug bewusst beobachten lassen und Veränderungen gemeinsam reflektieren. 5. Variabel und spielerisch trainieren: Unterschiedliche Schläger, Ziele, Entfernungen und Teilbewegungen einsetzen. 6. Spielbezug herstellen: Den vollen Schwung immer wieder in einfache Spielsituationen einbetten („Was ist der nächste Schlag?“). LANGES SPIEL / VOLLER SCHWUNG Der volle Schwung bildet im Grundlagentraining eine wichtige Grundlage für die weitere Golfentwicklung, steht jedoch nicht im Zentrum der Ausbildung. Ziel ist es nicht, früh einen „fertigen“ Schwung zu formen, sondern funktionale, bewegungsfähige und anpassungsbereite Grundmuster zu entwickeln, die sich in späteren Entwicklungsstufen stabilisieren und differenzieren lassen. Im Vordergrund steht eine sinnvolle Bewegungsorganisation. Kinder sollen erleben, dass der Golfschwung eine zusammenhängende Ganzkörperbewegung ist, bei der der Körper den Schläger führt. Rhythmus, Gleichgewicht und Koordination haben dabei eine höhere Bedeutung als technische Detailkorrekturen. Ein flüssiger, wiederholbarer Bewegungsablauf mit einem klaren Treffmoment ist wichtiger als Schlagweite oder Präzision. Technische Hinweise werden bewusst reduziert und funktional eingesetzt. Griff, Stand, Ausrichtung und Ballposition werden spielerisch vermittelt und regelmäßig überprüft, ohne zu überfrachten. Ziel ist es, früh stabile funktionale Referenzen zu schaffen, die Orientierung geben, aber individuelle Bewegungswege zulassen. Technik dient immer der Aufgabe: den Ball kontrolliert und sinnvoll ins Spiel zu bringen. Ein zentraler Lernaspekt ist das Entwickeln von Treffgefühl. Kinder sollen über den Ballflug erfahren, wie sich guter Kontakt anfühlt und wie Veränderungen im Treffmoment Höhe, Richtung und Weite beeinflussen. Diese direkte Rückmeldung fördert ein natürliches Ursache-Wirkungs-Verständnis und bildet eine wichtige Grundlage für spätere technische Feinsteuerung. Methodisch wird das Schwungtraining bewegungsreich, abwechslungsreich und spielnah gestaltet. Unterschiedliche Schläger, Teilbewegungen, Zielaufgaben und einfache Spielsituationen sorgen für Motivation und Lernfreude. Ergänzend unterstützen sportartübergreifende Bewegungen wie Werfen, Schwingen oder Balancieren die Entwicklung koordinativer Fähigkeiten, die für den Golfschwung essenziell sind. Der volle Schwung wird früh in den Spielkontext eingebettet. Kinder sollen verstehen, dass lange Schläge Teil einer Handlungskette sind und nicht Selbstzweck. Aufgaben wie „Spiele den Ball so, dass du gut weiterspielen kannst“ fördern ein erstes taktisches Verständnis und verhindern eine einseitige Fixierung auf Schlagweite. 182 8 RAHMENTRAININGSPLÄNE DER EINZELNEN ENTWICKLUNGSSTUFEN DGV-RAHMENTRAININGSKONZEPTION

WETTKAMPFSTEUERUNG In der Entwicklungsstufe Spielen und Üben lernen steht der Erwerb grundlegender Spiel- und Übungskompetenzen im Vordergrund. Kinder sollen erste Erfahrungen mit Spielstruktur, Regelmechanismen, einfachem Taktikverständnis sowie dem emotionalen Erleben von Mitbewerbern, Sieg und Niederlage sammeln. Sportspielübergreifende Spielideen und Erfolgserlebnisse werden zunehmend in ein golfgerichtetes Spielverständnis überführt. Ziel ist ein wachsendes Verständnis für einfache Spielsituationen und erste handlungsleitende Entscheidungen im Golfspiel. Parallel dazu wird ein kindgerechtes Verständnis für zielgerichtetes Üben aufgebaut. Die Kinder erkennen erste Wirkungszusammenhänge (z. B. Treffmoment und Ballflug), erleben einfache Belastungsnormative (z. B. Ermüdung oder Konzentration) und entwickeln erste Anregungen zu selbstmotiviertem, eigenkreativem Training. Die Entwicklung eines positiven Lernverhältnisses zu Übung und Training bildet die Grundlage für eine spätere selbstorganisierte Trainingskompetenz. 6 – 9/11 Jahre 183 SPIELEN UND ÜBEN LERNEN DGV-RAHMENTRAININGSKONZEPTION

8 RAHMENTRAININGSPLÄNE DER EINZELNEN ENTWICKLUNGSSTUFEN Konzentration und Routinen Konzentration im Golf bedeutet, die Aufmerksamkeit gezielt und willentlich zu steuern. Zentral ist dabei eine aufgabenbezogene Lenkung der Aufmerksamkeit, vergleichbar mit einem Bühnenscheinwerfer, der in Abhängigkeit von den Erfordernissen große oder kleine Elemente des Bühnenbildes beleuchtet. Das Konzentrationstraining sollte daher mit dem gemeinsamen Überlegen von Trainern und Sportlern beginnen, welche Einstellung des Konzentrationsscheinwerfers für welche Situation auf dem Golfplatz am geeignetsten erscheint. Die Entwicklung von Routinen erfordert ein Grundverständnis zur gezielten Aufmerksamkeitslenkung und sollte daher erst im Anschluss angegangen werden. Routinen können zu unterschiedlichen Zwecken und mit unterschiedlicher Reichweite entwickelt werden (z.B. zur Strukturierung des Wettkampftages oder zur unmittelbaren Schlagvorbereitung). Die Arbeit an Routinen passt gut in das Themenfeld der Konzentration, da sie dabei unterstützen, Störreize auszublenden und die Aufmerksamkeit dort zu halten, wo sie für die Aufgabenerfüllung nötig ist. Zielsetzung Ziele entfalten Wirkung mit Blick auf die Motivation und die Ausdauer zur Aufgabenerfüllung (Ehrgeiz und Beharrlichkeit). Die Wirkung kann in eine gewünschte Richtung (Förderung von Motivation und Wille) gehen, oder es entsteht ein gegenläufiger Effekt (Verringerung von Motivation und Wille). Entscheidend ist dafür u.a. die passgenaue Formulierung und Präzisierung der Ziele in Abhängigkeit des Könnensniveaus eines Golfers. Die Fähigkeit, passgenaue und damit motivierende Ziele zu setzen, sollte deshalb von den Trainern mit den Sportlern geübt werden. Folgende Elemente haben sich bewährt und stellen erste Anregungen dar, wie mit Zielen gearbeitet werden kann: • Meine Vision finden (Ziele mit dem Herzen bestimmen) • Der Weg zum Ziel – Schritt für Schritt (eine Zielplanung erstellen) • Unterschiede zwischen Ergebnis- vs. Leistungszielen herausfinden • Umgang mit Rückschlägen und Problemen auf dem Weg zum Ziel • Erfolge feiern und das Erreichen eines Ziels markieren 224 DGV-RAHMENTRAININGSKONZEPTION

Selbstvertrauen Psychologisch betrachtet beinhaltet der Begriff Selbstvertrauen zu einem großen Teil das Ausmaß der Überzeugung eines Spielers, eine golferische Anforderung (z. B. Platzvorgabe, spezifisches Hindernis) mit Hilfe seiner bereits vorhandenen Fähigkeiten bewältigen zu können. Selbstvertrauen ist daher nur zu einem geringen Teil in der Persönlichkeit verankert und zu einem größeren Teil entwickelbar. Im Entwicklungsprozess sollten Trainer junge Golfer beim Blick nach innen unterstützen. Denn gesundes Selbstvertrauen basiert auf einem realistischen und positiven Selbstbild. Dies beinhaltet zum einen die Unterstützung beim Reflektieren und Aufschreiben eigener Stärken, und zum anderen das wertschätzende Begleiten beim Herausfinden eigener Bedürfnisse und Präferenzen. Zum Beispiel: Welche individuelle Wettkampfvorbereitung unterstützt meine Handlungszuversicht für die anstehende Runde? Darüber hinaus fördert die Integration wettkampfnaher Bedingungen die individuelle Selbst- und Kompetenzerwartung der Spieler. Trainer können wettkampfnahe Bedingungen im Training, zum Beispiel durch die Einführung positiver und negativer Konsequenzen für das Erreichen eines vorab definierten Leistungsziels herstellen. Entscheidend dabei ist, dass sich die Spieler durch das Erleben von Erfolg und Misserfolg und der anschließenden Reflexion mit dem Trainer (was war entscheidend für Erfolg bzw. Misserfolg?) an typische Gegebenheiten des Wettkampfs gewöhnen. Zusammenfassend ist dieser Altersbereich eine Phase großer körperlicher, emotionaler und sozialer Veränderungen. Hierbei sind nahezu durchgehend verschiedene Entwicklungsaufgaben zu lösen. Dazu zählen u.a. die Entwicklung von persönlichen Moral- und Wertvorstellungen (z. B. Prinzipien wie Fairness und Gerechtigkeit), die emotionale Ablösung und Emanzipation von den Eltern oder auch das Finden erster Ansätze zur Entwicklung einer beruflichen Zukunftsperspektive. Der Golfsport bildet dafür ein potentiell unterstützendes Umfeld. Es ergeben sich Lernchancen durch das unmittelbare Erleben von Erfolg und Misserfolg oder durch die Möglichkeit, mit Gleichaltrigen im Team zu spielen und Verantwortung zu übernehmen. Die Trainer sind dabei Vorbild und geben den Rahmen vor, der mit darüber entscheidet, ob dieser Raum zur Förderung übergreifender Lebenskompetenzen (z. B. Entwicklung eines gesunden Selbstvertrauens, Verantwortungsübernahme, Konfliktfähigkeit) von den Jugendlichen genutzt werden kann. Für die didaktische Herangehensweise gilt: Je stärker die Vermittlung an den individuellen Bedürfnissen der Sportler ausgerichtet ist, desto wirksamer kann sie sein. Trainer sollten dabei sowohl persönliche Voraussetzungen der Sportler als auch ihr aktuelles Umfeld berücksichtigen. Dazu gehören beispielsweise Reife, Motivation und emotionaler Zustand, aber auch Einflüsse aus Trainingsgruppe, Freundeskreis, Elternhaus oder weiterem Unterstützerumfeld. Darauf abgestimmt können Ansprache und mentale Übungsformen passend gewählt werden. Das Verständnis für regelmäßiges mentales Training wächst vor allem dann, wenn Sportler mentale Techniken konkret ausprobieren können. Besonders wirksam ist dies, wenn die Aufgaben einen direkten Bezug zum Golfspiel haben, etwa beim Überspielen eines Hindernisses. So erleben Sportler unmittelbar, dass sie ihre Gedanken und ihre Aufmerksamkeit gezielt steuern können und dass dies für erfolgreiches Golfspiel hilfreich ist. 9/11 – 13/15 Jahre 225 LERNEN UND TRAINIEREN DGV-RAHMENTRAININGSKONZEPTION

DIE EIGENE SPIELANLAGE VERSTEHEN UND NUTZEN In der Spezialisierungsphase rückt das Verständnis der eigenen Spielanlage stärker in den Mittelpunkt von Technik- und Taktiktraining. Spielerinnen und Spieler sollen erkennen, welche individuellen Schlagmuster sie auszeichnen, wie sie diese gezielt einsetzen können – und wie dadurch strategisch kluge Entscheidungen auf dem Platz möglich werden. Der leitende Gedanke lautet dabei: Wie spiele ich mit meinen Fähigkeiten möglichst effizient – und mache möglichst wenig Schläge? PERSÖNLICHE STÄRKEN GEZIELT EINSETZEN Ausgangspunkt ist die bewusste Auseinandersetzung mit den eigenen Stärken. Spieler lernen, ihr Spiel so zu strukturieren, dass diese regelmäßig zur Geltung kommen – etwa über bevorzugte Schlaglängen, bestimmte Ballflugkurven oder stabile Spielrichtungen. Technik dient hier zunehmend der strategischen Umsetzung der eigenen Spielanlage. SCHLAGMUSTER ERKENNEN (SHOT PATTERNS) Ein zentrales Instrument dieser Phase ist die Arbeit mit Shot Patterns – also der statistisch erfassbaren Streuung von Schlägen aus definierten Distanzen. Dabei geht es weniger um Idealwerte als um das realistische Erkennen typischer Abweichungen und Fehlschläge. Trainer unterstützen die Jugendlichen dabei, diese Informationen aus Rundenanalysen abzuleiten und gezielt in die Spielvorbereitung zu integrieren. So entsteht ein belastbares Verständnis dafür, • wo Fehler statistisch „eingeplant“ werden können, • und in welchen Situationen Risiken bewusst vermieden werden sollten. Beispiel: Ein Spieler erkennt, dass Annäherungen mit dem Eisen 7 in der Mehrzahl leicht rechts vom Ziel landen. Für die Turnierrunde bedeutet das: Bei einer Fahnenposition rechts im Grün wird bewusst ein Zielpunkt links der Fahne gewählt, um die Grün-Trefferwahrscheinlichkeit zu erhöhen. VON DER ANALYSE ZUR UMSETZUNG Die Ableitung konkreter Spielstrategien auf Basis eigener Spielmuster wird im Aufbautraining 2 expliziter Bestandteil der Golftechnikvermittlung. Spieler entwickeln – begleitet durch ihre Trainer – Routinen, um: • Proberunden effizient zu strukturieren, • typische Fehlschläge strategisch einzuplanen, • individuelle Spielpläne vorzubereiten, • und Entscheidungen auf dem Platz zunehmend selbstständig zu treffen. Diese Form der spielanalytischen Selbststeuerung stärkt nicht nur die taktische Kompetenz, sondern auch Selbstwirksamkeit und Eigenverantwortung – zentrale Voraussetzungen für eine nachhaltige leistungsorientierte Entwicklung im Golfsport. 242 8 RAHMENTRAININGSPLÄNE DER EINZELNEN ENTWICKLUNGSSTUFEN DGV-RAHMENTRAININGSKONZEPTION

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