FACHWISSEN 38 Greenkeepers Journal 4/2024 AUSBREITUNG VERMEINTLICH SESSHAFTER PFLANZEN Pflanzen sind sesshaft – oder etwa nicht? Teil 1: Einleitung und Ausbreitungsstrategien bei Gehölzen Die Aussage „Pflanzen sind sesshaft im Gegensatz zu Tieren“ würde wohl fast jeder sofort bejahen, aber stimmt das denn? Tiere haben die Fähigkeit, aktiv den Ort zu wechseln. Deshalb sind sie auch beliebt, man kann ihnen zusehen und ihr Verhalten studieren. Pflanzen sind im Vergleich zu Tieren eher „langweilig“, denn nur bei den wenigsten Arten ist eine Bewegung erkennbar. Pflanzen waren die ersten Lebewesen, die das Festland eroberten. Die Evolution hat sie mit Fähigkeiten ausgestattet, sich an geeigneten Stellen anzusiedeln und weiter auszubreiten. Wie sollten denn sonst riesige Waldgebiete entstanden sein? Wälder werden in unseren Breiten oftmals von nur wenigen Baumarten gebildet, beispielsweise von der Wald-Kiefer (Pinus sylvestris L.), deren Verbreitungsgebiet von Europa bis nach Asien reicht. Mit Hilfe flugfähiger Samen kann sie sich an neuen geeigneten Standorten ansiedeln. Da die Wanderung von Pflanzen kaum in unserem Bewusstsein verankert ist, sollen hier einige Beispiele betrachtet werden. Bei einer „Expedition ins Pflanzenreich“ werden verschiedene Ausbreitungsstrategien behandelt. Lassen Sie uns diese gemeinsam erforschen! Ausbreitungsstrategien, Ökologische Ausbreitungsklassen Zur Klärung dieses Themas bietet das Pflanzenreich mit einer geschätzten halben Million Pflanzen-Arten viele Beispiele, denn die natürlichen Ausbreitungs-Strategien der Pflanzen sind vielfältig. Manche sind so ausgestattet, dass sie sich ohne „fremde“ Hilfe ausbreiten, andere nutzen unterschiedlichste Hilfsmittel, die beiden wichtigen Wege sind: Selbstverbreitung und Fremdverbreitung. Unterschiede zwischen Gehölzen und krautigen Pflanzen Gehölze: Bäume und Sträucher werden an eine Stelle gepflanzt oder sind durch Früchte oder Samen an einen Standort gelangt und wachsen an dieser Stelle. Sie können sich nur über Früchte und Samen – also generativ – ausbreiten. Eine vegetative Ausbreitung gibt es nur selten, beispielswiese bei Sträuchern mit unterirdischen Ausläufern, wie bei der gewöhnlichen Schneebeere (Symphoricarpus albus (L.) S.F. Blake) oder mit oberirdischen Wandersprossen bei der Brombeere (Rubus fruticosus L.). Krautige Pflanzen: Stauden und einjährige Pflanzen breiten sich durch andere Strategien aus. Bei Stauden sind vegetative Ausbreitungsstrategien durch Ausläufer, Rhizome, Knollen, Zwiebeln sehr häufig zu beobachten. Zusätzlich breiten sie sich durch Früchte/Samen aus. Einjährige können sich nur durch Samen ausbreiten. Um sicherzustellen, dass sich genügend Nachkommen entwickeln und damit der Fortbestand der jeweiligen Art gesichert ist, werden Früchte mit Samen zumeist in großer Zahl gebildet. Die wichtigsten Formen der generativen Ausbreitung bei Bäumen und Sträuchern sind: A. Selbstverbreitung – Autochorie Fallvorrichtungen, oftmals mit Speicherverbreitung durch Nagetiere B. Fremdverbreitung – Allochorie Oftmals durch Wind – Anemochorie Abb. 2: … den typischen Blütenständen Abb. 1: Stattliche, reich blühende Rosskastanie mit … (Alle Fotos: I. Hagemann) Abb. 3. Aus den unteren Blüten haben sich die zunächst grünen, stachligen Früchte entwickelt.
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