greenkeeper 04-2024

FACHWISSEN 39 4/2024 Greenkeepers Journal A. Selbstverbreitung (Autochorie) Fallvorrichtungen, auch Schwerkraftwanderung: In unseren Breiten gibt es zahlreiche Laubgehölze, die große, relativ schwere Früchte bilden, die in den meisten Fällen nach ihrer Reife zu Boden fallen und in der Nähe des jeweiligen Baumes keimen. Mitunter kommen diesen Früchten Tiere zu Hilfe, die für den Transport an andere Stellen sorgen. So sammeln beispielsweise Eichhörnchen Nüsse, die sie an anderer Stelle als Wintervorrat vergraben und gelegentlich „vergessen“. Das zeigt, dass sich mitunter eine Kombination verschiedener Ausbreitungs-Strategien ergibt. Als Arten mit schweren Früchten sind folgende Beispiele zu nennen: Rosskastanie, Esskastanie, Buche, Eiche, Haselnuss, Walnuss. Diese gehören in ganz unterschiedliche Verwandtschaftskreise, haben aber alle in ihren Samen große Vorräte an Speicherstoffen, die sich in Keimblättern – genannt Speicherkotyledonen – befinden. Die Keimung erfolgt unter der Erde oder einer Laubschicht – hypogäisch – die Kotyledonen bleiben in der Samenschale. Nur bei der Buche (Fagus sylvatica L.) erscheinen die etwas dicklichen Keimblätter über der Bodenoberfläche, die Keimung erfolgt epigäisch. Die Gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum L.), Familie der Rosskastaniengewächse (Hippocastanaceae): Sie bildet hohe Bäume mit ausladenden Baumkronen und schönen Blütenständen (Abbildung 1). Die Blütenstände bestehen aus zahlreichen Teilblütenständen, deren einzelne Blüten nacheinander aufblühen (Abbildung 2). Nur aus den unteren Blüten entwickeln sich nach der Bestäubung kugelförmige Früchte mit einer derb-fleischigen grünen Fruchtwand, die mit weichen Stacheln besetzt ist (Abbildung 3). Nach der Fruchtreife fallen die Früchte herunter und platzen auf. Dabei fallen die schönen, braun gefärbten Samen heraus, bleiben liegen oder rollen noch ein Stück weiter, je nach Beschaffenheit des Untergrundes. An den Samen ist ein großer weißer Fleck zu sehen, das ist die Ansatzstelle an der Fruchtwand (Abbildung 4). Die Samen sind Kindern bestens bekannt, weil sie sich zum Basteln für „Streichholzfiguren“ besonders gut eignen. Die Samen sind mit zwei dicken Speicherkeimblättern, einer kleinen Wurzel und einer Sprossknospe ausgestattet. Bei der Keimung bleiben die Keimblätter in der Samenschale, nur die Wurzel wird herausgeschoben und etwas später ragt der junge Spross mit zwei Laubblättern heraus. Die relativ großen Jungpflanzen sind ganz leicht zu erkennen, weil die ersten Laubblätter den voll entwickelten Laubblättern in der Baumkrone ähneln (Abbildung 5). Der Verwandtschaftskreis der Fagaceae, der in unseren Breiten mit wichtigen heimischen Laubholzpflanzen reich vertreten ist, zeichnet sich durch unscheinbare männliche Blüten, die in Kätzchenblütenständen beieinander stehen, und charakteristische Früchte aus, wobei diese meisten der Schwerkraft folgend verbreitet werden und auf den Boden fallen. Oftmals werden sie von Tieren, Eichhörnchen, Eichelhähern und kleinen Nagetieren für den Winter als Vorrat gesammelt und gelegentlich „vergessen“. Durch die Bedeckung mit Erde wird die Keimung deutlich begünstigt. Zu nennen sind folgende Baum- arten: Esskastanie, Rotbuche und Eiche. 1. Die Esskastanie (Castanea sativa Mill.) ist in der Türkei, im Kaukasus, im Nord-Iran und in Nordwest-Afrika beheimatet. Sie wurde durch die Römer im Südwesten Deutschlands eingeführt und kultiviert. Von da ausgehend hat sie sich in sommerwarmen Gegenden – im Rheinmain-Gebiet – ausgebreitet. Sie entwickeln sich zu großkronigen Bäumen (Abbildung 6), die eine Höhe von 30 Metern erreichen können, mitunter werden sie in Parkanlagen in Dreiergruppen gepflanzt (Ab- bildung 7). Dr. Isolde Hagemann Univ.-Doz. am Botanischen Institut, Universität Salzburg Expertin für Baumbiologie, -pflege und -Management Ein Autorenprofil und Kontaktdaten finden Sie unter gmgk-online.de/gk-autoren Abb. 4: Bei Reife fallen sie vom Baum, platzen auf und entlassen die schönen glänzenden Samen. Der große weiße Fleck ist die Ansatzstelle an der Fruchtwand. Abb. 5: Gelegentlich sind Rosskastanien-Keimlinge zu finden, gut erkennbar an den ersten aber typisch gestalteten Primärblättern.

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