greenkeeper 04-2024

62 Greenkeepers Journal 4/2024 Aus Berlin kommen schlechte Nachrichten für die Golfergilde: Die beiden noch stärksten Oppositionsparteien im Roten Rathaus haben die Anlagen in Wannsee, Gatow und Pankow ins Visier genommen. Den Grünen geht es um den Wasserverbrauch auf Golfplätzen, den Linken um Flächen für den Bau von bezahlbarem Wohnraum. Oder umgekehrt. Man weiß das nie so genau in Zeiten, in denen Parolen und Phrasen politische Stilmittel sind. „Wir stellen die Frage, ob diese Flächen nicht für Stadtnatur, Erholungsraum, Kleingärten sowie für Wohnungsbau und gemeinwohlorientierte Zwecke sinnvoller genutzt werden müssen, als für das Privatvergnügen einiger Wohlhabender reserviert zu sein“, tönt es aus der Fraktion Die Linke. Nicht zur Diskussion steht freilich die Absurdität, das ohnehin versiegelte Tempelhofer Feld als Freizeitareal erhalten zu wollen und stattdessen Naturboden zu versiegeln. Es taugt ideologisch ja viel besser, das Feindbild Golfer zu strapazieren – weil: „Golfplätze sind genauso überflüssig wie Privatjets.“ Die Tageszeitung B.Z. wollte dazu übrigens ein Statement des einst Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit einholen, erntete indes bloß ein „Kein Kommentar“. Aber der Mann ist eh befangen, wurde die Antwort doch auf dem Golfplatz eingeholt. Sein früherer Finanzsenator Thilo Sarrazin nennt die Debatte den „Ausfluss einer neuen Neidkampagne“, doch er ist ebenfalls Golfer. Erst recht verquast wird die Debatte, wenn die Grüne Jugend in Berlin oder in Niedersachsen räsoniert, dass Golfplätze „in Zeiten von Wasserknappheit und Artensterben ein Luxus“ seien. Selbst Greenpeace sitzt dem Missverständnis vom Golfsport als Umweltsünde, Landverwesung oder Ressourcenraub auf und betreibt bei jeder sich bietenden Gelegenheit GolfBashing. Man sollte es mittlerweile besser wissen. Zweifellos gibt es immer noch Anlagen, die mangels Entnahmerestriktionen wässern, als gäbe es kein Morgen, deren Betreiber nicht mal die moralische Pflicht zum Maßhalten empfinden. Doch generell haushaltet die Szene inzwischen signifikant mit dem Wasserverbrauch, durch den Einsatz genügsamer Gräser und heimische Vegetation sowie ausgeklügelter Beregnungs- und Dränagetechnik. Wo landauf landab grobe Wasserwerfer die rar gewordene Ressource über Rübenacker oder sonstige Felder schleudern, wird auf Abschlägen, Fairways und Grüns jeder Tropfen bewusst und gezielt eingesetzt. Es geht auch anders Sowieso können Golfplätze Bastionen der Bio-Diversität sein. Auf den Green Eagle Golf Courses bei Hamburg beispielsweise, wo Inhaber Michael Blesch an einem potenziellen RyderCup-Kurs baut, entsteht gleichzeitig in enger Abstimmung mit dem Landkreis Harburg und der Unteren Naturschutzbehörde ein Paradies für den Biber, der in Europa nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie besonders geschützt ist. Auf den sechs Hektar darf sich der Baumeister mit Biss voll austoben. Zudem werden Moorpflanzen wie Zwergbirke, Sumpfveilchen oder Moosbeere eingesetzt, dann wird die Fläche sich selbst überlassen. „Früher war da bereits sumpfiges Gebiet, jetzt geben wir der Natur diesen Bereich zurück“, verdeutlicht Blesch. „Das passt sehr gut in die Zeit: Moore wiederherstellen und damit CO2-Speicher gewinnen.“ STATE OF THE ART IN DER NACHHALTIGKEITS-DEBATTE Wenn die Brache blüht „Sehnsuchtsbild“ Golfplatz: Chambers Bay Golf Course, Washington, USA (Foto: M.F. Basche) Beispiele für den ökologischen Nutzen von Golfanlagen, der in den ideologisch befeuerten Debatten um Land- und Wasserverbrauch selten bis nie berücksichtigt wird.

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