greenkeeper 04-2024

63 4/2024 Greenkeepers Journal GOLFPLATZ Im Golf- und Country Club Seddiner See südlich von Potsdam wiederum haben Monitorings der Artenvielfalt eine deutliche Erhöhung des Artenreichtums insgesamt und des Bestands an Rote-Liste- oder geschützten Arten ergeben. In den Uferwänden der Teiche siedelt der Eisvogel, in den Hecken brüten Nachtigall und Sperbergrasmücke, am Waldrand ist die Heidelerche wieder heimisch geworden. Reviere der seltenen Waldohreule wurden ausgemacht, und der heimische Steinkauz wurde ausgewildert, der weitgehend aus Brandenburg verschwunden ist. 1991, kurz nach der Wende und weit vor der Nutzung als 36-Löcher-Golfplatz, lag die Biodiversität auf dem landwirtschaftlich genutzten Gelände bei nicht mal einem Drittel des heutigen Artenreichtums und der Bestand an Rote-Liste- oder geschützten Arten bei Null. Golfanlagen als Sicherheitszonen und Kleinode Das sind zwei von vielen Beispielen. Angesichts intensiv genutzter Kulturlandschaften wird der oft angeprangerte Flächenbedarf eines Golfplatzes sogar eher zum Segen, weil die Sicherheitszonen zu Refugien für Fauna und Flora werden. Vor dem Hintergrund klammer kommunaler Kassen und gesellschaftlicher Rücksichtslosigkeit ist das Argument einer aufs Gemeinwohl ausgerichteten Verwendung als Freizeitfläche für die Naherholung ebenfalls eher fragwürdig, wenn die dann binnen weniger Monate der Verwahrlosung und dem Vandalismus anheimfällt. Auch in anderer Hinsicht ist der ökologische Nutzen von Golfplätzen nicht zu unterschätzen. Stichwort Erosionsminderung, Sauerstoffproduktion und Staubbindung. In Deutschland belegen die über 700 Ensembles eine Fläche von etwa 48.000 Hektar. Grasnarbe und Flora reduzieren die Erosion des Bodens auf nicht mal ein Prozent, binden jährlich etwa 500.000 Tonnen Staub und produzieren statistisch gesehen pro 18-Löcher-Platz Sauerstoff für bis zu 7.000 Menschen. Weltweit geben rund 2,6 Millionen Hektar dem Spiel Raum und die Möglichkeit, zugunsten des Klimas zu wirken. Renaturierung ohne staatliche Zuschüsse Und dann ist da noch das große Thema Renaturierung: Golf wiederbelebt ausgeräumte Landschaften, Industrie- und Acker- oder militärische Konversionsflächen – kurz: menschengemachte Öko-Unglücksfälle – und bringt die Brache zum Blühen, wo der öffentlichen Hand vielfach das Geld fehlt. Weltweit gibt es explizite Exempel für die golfsportliche Anschlussverwendung. Berühmtestes Beispiel ist sicherlich der Augusta National Golf Club im US-Bundesstaat Georgia, der zu Beginn der 1930er-Jahre auf den knapp 148 Hektar einer im Dornröschenschlaf liegenden Baumschule entstanden ist. Die Golfgegner werden nun wieder aufheulen: noch so eine Enklave des Elitismus … geschlossene Gesellschaft und so … Refugium für Reiche. Michael F. Basche Ein Autorenporträt und Kontaktdaten finden Sie unter gmgk-online.de/gk-autoren Green Eagle Golf Courses (Foto: Green Eagle Golf Courses) G&CC Seddiner See (Quelle: Pressemitteilung GVBB, gm 3/24) Die Biberbauten der Green Eagle Golf Courses sind auch in den Sozialen Medien Thema. (Quelle: facebook.com)

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