greenkeeper 04-2024

64 Greenkeepers Journal 4/2024 GOLFPLATZ Ok, stattdessen halt Chambers Bay. Der Sandkasten im amerikanischen Nordwesten ist eine Blaupause für gelungene Renaturierung. Architekt Robert Trent Jones II setzte das Layout in eine ehemalige Schotter- und Kiesgrube, die seit den 1890er-Jahren das Baumaterial für halb Seattle geliefert hatte, die 64 Kilometer entfernte Metropole des US-Bundesstaats Washington. Am Ende blieb leblose Ödnis übrig, eine riesige Schüssel mit offenem Rand nach Westen, zum Pazifik. 1992 kaufte das Pierce County die gesamte Abraumhalde am Puget-Sund südwestlich von Tacoma für 33 Millionen Dollar und baute das insgesamt 3,8 Quadratkilometer große Gelände ab 2001 zu einem kommunalen Naherholungsgebiet namens University Place aus. Chambers Bay selbst ist ein Golf-Amphitheater von einer Million Quadratmetern und einem Höhenunterschied von 61 Metern zwischen dem Zuschauer-Haupteingang auf der einstigen Abbruchkante und dem tiefsten Punkt des Platzes. Vor allem aber ist es ein einzigartiger öffentlicher Golfplatz, bespielbar für jedermann. Im Juni 2007 war die Eröffnung, knapp acht Monate später folgte der Ritterschlag zur jüngsten Bühne einer US Open aller Zeiten. 2015 gewann Jordan Spieth das von viel Tamtam und Kritik begleitete Majorturnier über diesen „authentischen Linkskurs auf Anabolika“, wie die European Tour damals urteilte. Oder nehmen wir Streamsong nahe Fort Meade in Florida, ein Spielspaß auf mittlerweile drei Plätzen und einem Kurzkurs, konzipiert von den Designgrößen Bill Coore und Ben Crenshaw, Tom Doak und Gil Hanse. Das 2012 eröffnete Ensemble ist auf einer Abraumhalde für Phosphaterz entstanden. Die einstigen Phosphatgruben sind heute Seen und Wasserspeicher für die Golfplätze, der seinerzeit abgetragene Sand türmt sich zu Dünen. Streamsong hat den Verlust des Minen-Business kompensiert, dem Polk County touristische Millioneneinnahmen beschert und 450 Arbeitsplätze geschaffen. Die Liste ließe sich mühelos erweitern: Ferry Point am Rand der New Yorker Bronx, Liberty National und Bayonne am Hudson River in New Jersey, die Links at Spanish Bay in Kalifornien, Tobacco Road in North Carolina, Cabot Links im kanadischen Nova Scotia und und und. Auch Deutschland braucht sich mit Projekten nicht zu verstecken Vergleichbares findet sich ebenso in Deutschland. In Budenheim bei Mainz beispielsweise. Der Mainzer Golfclub nennt die Kombination aus Golfplatz aus der Feder von Christoph Städler (heute Städler & Reinmuth Golfdesign) und Naturschutz ein bundesweites ökologisches Vorzeigeprojekt, das seit 2018 den Goldstandard des DGV-Umwelt- und Qualitätsmanagement-Programms Golf&Natur erfüllt. Mehr als 50 Prozent des Areals sind geschützte Flächen. Und das in einem Gelände, auf dem zwischen 1856 und 1984 Sedimentkalkstein für die Zementproduktion abgebaut wurde und das von 1956 bis 2005 eine Mülldeponie war. Eine Renaturierung anderer Art wurde 2008 in Hörnum auf Sylt vollendet, einem Dorf, das im 15. Jahrhundert von örtlichen Heringsfischern gegründet wurde. Seit 1914 diente die Dünenlandschaft als Militärstandort, erst für Baracken und Feldlager, während des Zweiten Weltkriegs für einen Seefliegerhorst und eine Soldatensiedlung, später für die Pidder-Lüng-Kaserne der Bundeswehr, die aus dem Seefliegerhorst hervorgegangen war. 26 Kasernengebäude gammelten am Ortsrand von Hörnum dem Verfall entgegen. Chambers Bay Golf Course, Washington, USA (Foto: M.F. Basche) Streamsong Golf Resort, Florida, USA (Quelle: instagram.com) „Der ökologische Nutzen von Golfplätzen ist nicht zu unterschätzen – Stichwort Erosionsminderung, Sauerstoffproduktion und Staubbindung.“

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