greenkeeper 04-2024

69 4/2024 Greenkeepers Journal zu halten, der Außergewöhnliches ermöglicht, ohne Außergewöhnliches tun zu müssen. Selbiges gilt für Championship-Kurse. Deren Pflegezustand ist durchgängig auf turniertauglichem Top-Niveau, sodass es nur einiger Drehungen an wenigen Stellschrauben bedarf, speziell auf den Grüns, um das Ensemble in den Ausnahmezustand zu versetzen. Der Autor hat das auf den Kingsbarns Golf Links an der schottischen Ostküste erlebt, die eine Woche vor der Alfred Dunhill Links Championship noch für Greenfeespieler geöffnet waren. Dort nahm man sich lediglich zwei Tage Zeit, um Divots auszubessern und die Grüns zu bügeln. Für die US Open in Pinehurst im US-Bundesstaat North Carolina dieses Jahr wurde der ikonische Course No. 2 zwölf Tage vorher dichtgemacht. „Man schaut selbst nach den kleinsten Details. Es ist immerhin unser Super Bowl“, sagt Course Superintendent John Jeffreys in Anspielung auf den Saisonhöhepunkt der National Football League (NFL), der dafür 120 statt der etatmäßigen 22 Mitarbeiter dirigiert. Allein fünf bis sechs Tage dauert es, um die 117 Bunker akribisch durchzukämmen und eine einheitlich tiefe Sandschicht zu harken. Die Fairways werden erst mal quer gemäht, „um das Gras zu straffen“, so Jeffreys. Während Michael Blesch in Green Eagle gern eine Art Backgammonbrett-Muster schneiden lässt, folgt für Pinehurst No. 2 das übliche Shadow Mowing, mit dem die Fairways quasi längs geteilt werden. Vor allem aber werden die Grüns mit extra Mähschichten und solitärer Behandlung – je nach individuellem Bedarf – von der normalen Geschwindigkeit auf US-Open-Tempo gebracht. Schließlich wurde die berühmte Statue von Payne Stewart hinter dem 18. Grün an den Haupteingang umgesiedelt, um die Zuschauer mit dem Bildnis des Gentleman-Golfers zu begrüßen, der 1999 in Pinehurst das Letzte seiner drei Majors gewann und drei Monate später bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Ein Wort zu den Gräsern Übrigens, Pinehursts Grüns sind mit Bermudagras eingesät, es wächst schneller als andere Golfplatzgräser. Folglich werden die Grüns im Lauf des Tages langsamer. Bei der US Open wurden morgens mit dem Stimpmeter 14 Fuß (4,27 Meter) und gegen Ende des Tages 13 Fuß (3,96 Meter) gemessen. Für Professionals sind das Welten; da gilt es, Fahnenposition sehr sorgsam zu wählen – erst recht auf den gewölbten Grüns des Course No. 2. Auf den Green Eagle Golf Courses haben sie solche Besonderheiten nicht zu berücksichtigen. Die Grüns sind eine Mischung aus 70 Prozent Bentgras und 30 Prozent Poa, waren im Turniertrimm auf 2,1 Millimeter heruntergemäht und avancierten mit durchgehend 12,8 Fuß auf dem Stimpmeter zu Tanzdielen. „Das kann man nur kurze Zeit machen. Das Gras ist so anfällig und gestresst, dass die Grüns kurz vor dem Sterben sind“, verdeutlicht „Fairwayflüsterer“ Blesch, der seinem kongenialen Head-Greenkeeper Torsten Gohl einen Mörderjob beim Handling der sensiblen Puttflächen bescheinigt. Gohl baut freilich auf eine stabile Basis. Im Wortsinn. „Da wir den Platz mit viel Substanz aufgebaut und in der Vergangenheit gut gepflegt haben – mechanisch und mit der Düngung –, sind wir grundsätzlich auf die Tour gut vorbereitet und haben größtes Vertrauen in unsere Grüns, weil sie dem Anspruch vom Aufbau und von der möglichen Performance her gerecht werden.“ Der Rest ist Feintuning. Es ist halt Sport, da bereitet man sich gezielt auf Saisonhöhepunkte vor, das gilt für Athleten wie für Anlagen. Oder anders: Grüns müssen gleichermaßen für den Wettbewerbsstress trainiert werden. Gohl: „Wenn du die Entscheidung triffst, ein Tourplatz zu werden, hast du meist ein bis zwei Jahre Zeit, den Platz darauf einzustellen und die Arbeiten auf dem Grün massiv zu verstärken.“ Zum Beispiel durch intensives Graden. „Das sollte man eigentlich jedes Jahr machen. Du kannst ganz tief und in verschiedenen Horizonten einwirken, es stabilisiert die Grüns, sorgt für Filz- und Oberflächenkontrolle und erhält die Wasserdurchlässigkeit“, erklärt der ausgewiesene Fan mechanischer Pflegemaßnahmen: „Solche Gräser müssen förmlich penetriert werden. Sie brauchen Scherkräfte, Schnitt, mechanischen Einfluss.“ Doch das führt schon fast zu weit, man muss in einem Fachmagazin gewiss nicht die Grundlagen des Greenkeeping deklinieren. Jedenfalls: Der Rest ist das virtuose Zusammenspiel von Futter in Form von Stickstoff, Phosphor und Kali, Wachstumsregulatoren, Wetting Agents und Clorophyll-bildenden Stoffen wie Eisen und Magnesium, um die Poa dem Gesamtbild anzupassen. Torsten Gohl nennt es: „Dünger, Sand und Wasser, Luft und Liebe reinbringen – und damit Leben.“ Solcherart präparierte Grüns sind dann auch der Belastung des Turnierbetriebs gewachsen: „Das ergibt unglaublich firme Oberflächen, die du über 14 Tage oder drei Wochen nach Belieben kontrollieren kannst.“ Apropos Poa: „Wenn einer behauptet, man kann den Kampf gegen dieses Gras gewinnen, ist das wirklich vermessen“, sagt Gohl und erinnert sich an einen Spruch von Graeme MacNiven, GOLFPLATZ „Du musst dich von dem Gedanken trennen, deine Grüns seien empfindlich. Du baust sie für so ein Turnier auf, bereitest sie auf den Stress vor; du sorgst dafür, dass die Kraft nicht in den Halmwuchs, sondern in den Untergrund geht. Damit sie 14 Tage, drei Wochen diese Halmstabilität und Mähhärte haben.“ Torsten Gohl, HGK Green Eagle Golf Courses

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