greenkeeper 04-2024

70 Greenkeepers Journal 4/2024 dem Chef-Agronom der DP World Tour, der den Turnierplätzen stets beratend zur Seite steht: „Du, Torsten, mach Dir keine Sorgen. Poa hat schon mehr Super- intendenten das Leben gerettet als den Job gekostet.“ Poa ist nicht nur für Gohl eine Diva und Überlebenskünstlerin, vor der er größten Respekt hat. „Klar, Poa sieht sch… aus und benimmt sich nicht“, schmunzelt Gohl. „Andererseits gibt es ganz viele Möglichkeiten, die Poa gut in Schach zu halten.“ Um den Eindringling für eine Veranstaltung in die gewünschte Richtung zu bringen, müsse jedoch im Vorhinaus gehandelt werden – 14 Tage, drei Wochen vorher: „Man muss ein bisschen zaubern, dann kriegt man selbst mit diesem speziellen Gras tolle Grüns.“ Das Negativbeispiel lieferten die Spezialisten des amerikanischen Golfverbands USGA ausgerechnet bei der US Open 2015. Der fürs Set-up zuständige CEO Mike Davis entband die örtliche Greenkeeping-Crew von der Pflegeleitung und erlebte ein blaues Wunder auf den eigentlich mit dem borstigen Magergras Festuca eingesäten Grüns der Sandgrube Chambers Bay im US-Bundesstaat Nordwesten. Der trotz oder gerade wegen seiner Härte und Anspruchslosigkeit eher pflegesensible und in puncto Düngung schwierig auszubalancierende Schwingel kapitulierte vor der Kur der USGA-Experten, und die Poa hatte freien Zugang. Das Ergebnis waren derangierte Puttflächen und Spieler, die über „Blumenkohlgrüns“ schimpften. Mittlerweile hat Chambers Bay die Grüns komplett auf Poa umgestellt. Das Thema ist selbst auf Linkskursen relevant, wo Festuca eigentlich selbstverständlich sein sollte. Royal County Down in Nordirland hat wie Green Eagle mittlerweile Bentgras-Grüns. „Das passt besser zum Boden in diesem Gebiet als die eigentlich traditionellen Festuca-Oberflächen“, erzählte Links-Manager Eamonn Crawford vor der Irish Open. „Außerdem laufen die Bälle auf Grüns mit Bentgras gleichmäßiger und schneller.“ Dem Spielvergnügen tut der Stilbruch keinen Abbruch. County Down gilt aufgrund der phänomenalen Küstenlage und GOLFPLATZ Die Irish Open 2024 Royal County Down: Großes Golf zwischen Dünen und Ginster. Aber wo können Zuschauer das Geschehen gut verfolgen? (Foto: M.F. Basche) Einmaliger Auftritt: Die Scottish Open gastierte 2017 in Dundonald, aber man war not amused über die Goodies für die Clubmitglieder. (Foto: Dundonald Links/P. Koenig) Eine der berühmtesten Blickachsen auf dem Golfatlas: Die Par-4-Neun von Royal County Down vor der Kulisse der Mountains of Mourne (Foto: M.F. Basche) Angenehmes, entspanntes Klima: Für die Women’s Scottish Open sind die Dundonald Links in Ayrshire zu einer Art Heimatplatz geworden. (Foto: Dundonald Links/P. Koenig)

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