greenkeeper 04-2024

RASEN · TURF · GAZON 4/2024 85 Normalerweise wäre in dieser Situation ein Rasentausch angebracht gewesen. Da dieser aber nicht geplant war, sollte durch Striegeln die Rasenqualität verbessert werden. Mit dieser mechanischen Maßnahme soll eine Balance zwischen der Stoffproduktion und dem Abbau von Rasenfilz gefunden werden (MÜLLER-BECK, 2015a; 2020). Gleichzeitig werden durch das Striegeln flach wurzelnde Pflanzen geschädigt, die Grasnarbe gestärkt sowie die Bestockung angeregt (MÜLLER-BECK, 2013). Die Schädigung der flach wurzelnden Jährigen Rispe sollte zudem zu einer Reduktion der unerwünschten Blütenbildung führen. Abbildung 1 zeigt in schematischer Darstellung die Bearbeitungshorizonte der mechanischen Rasenpflege mit dem Hauptaugenmerk auf der Arbeitstiefe eines Rasenstriegels. Eine möglichst dichte Rasennarbe ist für einen treuen Ballauf und sicheren Stand der Spieler notwendig. Dabei soll das Spielfeld auch eine ansprechende Rasenoptik, d.h. einen homogenen Grünaspekt aufweisen. Die Oberflächenhärte ist für den Fußballrasen ein weiterer wichtiger Qualitätsparameter, weil sie entscheidend Kraftabbau und Ballreflexion beeinflusst. Die Werte für den Amateurfußball liegen im Soll zwischen 45 – 90 Gm, für den Profifußball liegt der Idealbereich zwischen 75 und 90 Gm (NONN, 2017). Der Drehwiderstand (Scherfestigkeit) spielt für den Fußballspieler ebenfalls eine entscheidende Rolle. Hier kommt es darauf an, dass der Rasen im richtigen Moment nachgibt, um Verletzungen der Spieler zu vermeiden. Ein zu geringer Drehwiderstand führt jedoch dazu, dass der Spieler beim Beschleunigen und Bremsen sowie bei Drehbewegungen zu wenig Halt hat. Zudem wird die Grasnarbe durch Heraustreten von Rasenstücken zu stark beschädigt (MÜLLER-BECK, 2015b). Ziel der Versuchsanstellung ist, mit welchem Striegel-Intervall sich die Grasnarbe mit Blick auf die zuvor genannten Problemstellungen verbessern lässt. Zur Beantwortung dieser Frage wurden folgende Parameter erfasst: • Organische Masse, • Blütenbildung, • Filzdicke, • Narbendichte, • Drehwiderstand, • Oberflächenhärte und • Rasenoptik. Material und Methoden Standort Das Südstadion ist eine Leichtathletikanlage (Kampfbahn) Typ B. Es liegt 4 Kilometer südlich vom Kölner Dom entfernt und befindet sich im Kölner Stadtteil Zollstock. Eröffnet wurde das Südstadion am 15. Januar 1978. Im Jahr 2012 wurde das Südstadion saniert und zweitligatauglich gemacht. In der Sommerpause 2015/2016 wurde eine Rasenheizung installiert und ein Fertigrasen verlegt. Seitdem erfolgen die erforderlichen Maßnahmen der Erhaltungs- und Regenerationspflege. Geographische Lage und Klima Köln liegt im Bundesland NordrheinWestfalen und befindet sich direkt am Rhein (53 m ü. NHN). Aufgrund der Lage in der Übergangszone zwischen Ozeanischem und Kontinentalem Klima, gibt es hier milde Winter und mäßig warme Sommer. Die Jahres-Durchschnittstemperatur liegt bei 10,7 °C. Der durchschnittliche Niederschlag pro Jahr liegt bei ca. 650 mm. In den Sommermonaten Juni, Juli, August steigen die Temperaturen tagsüber oft auf über 30 °C bei verhältnismäßig wenig Niederschlag (Abbildung 2). Nutzung Die Rasenfläche im Südstadion wurde im Jahr 2022 für 20 Regionalligaspiele der Heimmannschaft Fortuna Köln genutzt. Weitere zwei Spiele fanden im Rahmen des Mittelrheinpokals statt. Zusätzlich wird das Südstadion vom 1. FC Köln mit der U21 und der ersten Frauenmannschaft gelegentlich für Flutlichtspiele genutzt. Im Jahr 2022 bestritten Abb. 1: Bearbeitungshorizonte für die mechanische Rasenpflege. (MÜLLER-BECK, 2018, ergänzt) Abb. 2: Klimadiagramm Köln. (Quelle: ANONYMUS, 2023)

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