RASEN · TURF · GAZON 4/2024 89 Feldern die Rasenoberfläche zu Versuchsende als besonders homogen und gleichmäßig beschrieben. Parzelle Null wurde von ihrer Struktur her schlechter wahrgenommen. Einen Eindruck vom Erscheinungsbild der Versuchsflächen vermitteln beispielhaft die Abbildungen 18 und 19. Diskussion Ziel der Versuchsanstellung war es, die Auswirkungen von drei unterschiedlichen Striegelintervallen auf bestimmte Qualitätsparameter eines Sportrasens zu testen. Die Versuchsergebnisse zeigten, dass in erster Linie mit dem Striegeln der Rasenfilz und die Blütenbildung der unerwünschten Jährigen Rispe (Poa annua) reduziert wurden. Ein weiterer, in diesem Versuch nicht näher beschriebener aber beobachteter Aspekt war das bessere Schnittbild beim Mähen, welches durch das Aufrichten der Gräser beim Striegeln erreicht wurde. Nach dem Striegeln muss die mit dem Striegel herausgearbeitete organische Masse mit einen Sichel- bzw. Saugmäher, alternativ ist auch eine Kehrmaschine möglich, vollständig vom Rasen entfernt werden. Die Benutzung von Mähern bietet den Vorteil, die mit dem Striegeln aufgerichteten Gräser in gleichmäßiger Höhe abzuschneiden. Dies erhöht optisch die Homogenität der Rasenoberfläche. MÜLLER-BECK (2014) beschreibt das Groomen (Kämmen) als wirksame Pflegemaßnahme zur Reduktion der Blütenbildung von Poa annua auf Golfgrüns. Diese Maßnahme muss jedoch mehrmals in der Woche durchgeführt werden. Mit den durchgeführten Striegelintervallen, vor allem im Rhythmus von zwei Wochen, lässt sich ein vergleichbarer Effekt mit geringerem Aufwand auch bei Sportrasen erzielen. Durch das Aufstellen der Gräser werden beim Mähen mehr Blüten erfasst und somit nachweislich reduziert. Vergleicht man die prozentuale Blütenbildung mit den Ergebnissen der optischen Bewertung, fällt auf, dass das Feld 2 mit den wenigsten Blüten die höchste Boniturnote erhalten hat. Nach MÜLLER-BECK (2020) sind Filzdicken bis 5 mm akzeptabel. Spätestens bei einer Filzauflage von mehr als 10 mm Dicke sollten Vertikutiermaßnahmen zur mechanischen Entfernung des Rasenfilzes durchgeführt werden. Vertikutieren stellt jedoch einen massiven Eingriff in die Grasnarbe dar und geht in der Regel mit einer Nutzungseinschränkung einher. Daher bleibt das Vertikutieren meist auf die Spielpause während des Sommers beschränkt. Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass auch mit Striegeln Rasenfilz wirksam reduziert werden kann. Zu Beginn des Versuchs lagen die Filzdicken auf allen Feldern bei ca. 15 mm. Striegeln im Zwei-Wochen-Rhythmus (Feld 2) verringerte den Filz in einem Zeitraum von fünf Monaten auf einen akzeptablen Bereich von 5 mm. Auch die etwas weniger intensiven Striegelvarianten trugen zu einem mechanischen Filzabbau auf 8 (Feld 3) bzw. 9 mm (Feld 4) bei, während das Feld 0 zum Ende des Versuchs noch eine Filzdicke von 13 mm aufwies. Ein weiterer Vorteil des Striegelns liegt neben dieser Effektivität auch im geringen Zeitaufwand im Vergleich zum Vertikutieren und der nicht eingeschränkten Nutzbarkeit der Rasenfläche. Wenig Einfluss zeigte das Striegeln bei den Qualitätsparametern Drehwiderstand und Oberflächenhärte. Auch wenn das Striegeln im Drei-Wochen-Rhythmus tendenziell bei beiden Paramatern die höchsten Werte und somit die Spielfeldqualität verbessernden Effekte zeigte, kann eine positive Korrelation aufgrund der, teils widersprüchlichen, Ergebnisse der anderen Striegelvarianten nicht bestätigt werden. Zudem sind die absoluten Höhen der Unterschiede sowohl beim Drehwiderstand als auch bei der Oberflächenhärte relativ gering und dürften für die Spielfeldqualität keine spürbare Verbesserung bringen. Die bereits angesprochene optische Bewertung scheint eng mit der Narbendichte und der Reduktion der Blütenbildung von Poa annua zu korrelieren. Hier führen alle Striegelvarianten zu einer höheren Boniturnote im Vergleich zur unbehandelten Variante. Der intensivste Striegelrhythmus führt aufgrund der homogenen Oberfläche und weniger Blüten zur besten Rasenoptik. Ob sich die auf dem von Poa annua dominierten Grasbestand ermittelten Ergebnisse auch auf einem Grasbestand aus den Sportrasengräsern Lolium perenne und Poa pratensis erzielen lassen, müsste in einem weiteren Versuch ermittelt werden. Für das Spielfeld des Südstadions Köln stellt intensives Striegeln eine geeignete Pflegemaßnahme zur Verbesserung der Spielfeldqualität dar. Literatur ANONYMUS, 2023: Klima Deutschland: Wetter, beste Reisezeit & Klimatabelle (wetteratlas.de) https://www.wetteratlas.de/klima/ europa/deutschland.php (aufgerufen am 30.01.23). DFL, 2022: Qualitätssicherung für Stadionrasen – Arbeitsbuch für das Greenkeeping in der Bundesliga und 2. Bundesliga. 4. Aufl., Deutsche Fußball Liga, Frankfurt. Abb. 18: Erscheinungsbild Versuchsfeld 1 mit den Feldern 2, 3 und 4 zu Versuchsbeginn. (Foto M. Schwalm) Abb. 19: Erscheinungsbild Versuchsfeld 1 mit den Feldern 2, 3 und 4 im Juli. (Foto M. Schwalm)
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