10 30 JAHRE GOLFMANAGER eine Amputation des zertrümmerten rechten Beins „im Raum stand“. Heilig’s Blechle, die Tücken des Wortbilds. Da sitzen Leute an der Tastatur, die das Handwerk nicht beherrschen. Plötzlich Redakteur. Übrigens, wussten Sie, dass Redakteur in Deutschland keine geschützte Berufsbezeichnung ist? Bloß ein Berufsbild, das nicht mal zwingend eine entsprechende Ausbildungsordnung voraussetzt. Bei Wikipedia lässt sich nachlesen, warum die Schülerzeitung oder ein dreimonatiges Praktikum – wo auch immer – zur Befähigung nicht ausreichen. So wie ein einstelliges Handicap allein noch keinen Golfmanager macht. Die Zeiten ändern sich ... Aber kommt es darauf überhaupt noch an? Oder gilt die These des kanadischen Philosophen, Literaturprofessors und Kommunikationstheoretikers Marshall McLuhan (1911 bis 1980): Das Medium ist die Botschaft. Demnach sind es weniger die Inhalte und eher der Strukturwandel von Medien, der als Treibmittel wirkt und wie keine andere Kraft Ökonomie, Gesellschaft, Produktion, Management und Werte verändert. Angesichts von Überhitzung, Augenblicksgier und Sensationslust ist an McLuhans Mantra sicher was dran. Nahezu jeden Tag wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Special-Interest- Medien und Fachmagazine wie der golfmanager wirken da wie Bollwerke im Brackwassser der Beliebigkeit – frei nach dem Kabarettisten Georg Schramm, der sich einst freute: „Wenn man so einen Satz mal hat …“ Mit den Fettaugen der Aufmerksamkeitshybris, möchte man ergänzen. Die Trendforscher vom Zukunftsinstitut (Frankfurt) haben dazu im Dezember 2023 eine Skizze mit dem Titel „Die Evolution der Medien“ verfasst. Dort ist unter anderem vom Gegensatz zwischen Diffusionsmedien und Fokusmedien die Rede. Im ersten Fall erwarten die Nutzer laut Zukunftsinstitut „Zerstreuung, lassen Inhalte auf sich zukommen, wollen im Alltag ein mediales Hintergrundrauschen erzeugen.“ Die Fokusmedien wiederum stehen für eine Rückkehr der Konzentration: „Nutzer wissen, was sie erwartet und sind bereit, dafür Zeit und Geld zu investieren.“ Das betrifft im Besonderen Printpublikationen mit den von einer Fachredaktion kuratierten Inhalten. Sie sind der Gegenentwurf zum chaotischen Dauerfeuer an nicht selten unvalidierbaren Informationsschnipseln aus einer Vielzahl von Quellen. Ablenkungen durch Pop-ups, eingebundene Videos oder andere Auswüchse der Aufmerksamkeitsbefeuerung haben in solchen Rückzugsräumen naturgemäß keinen Platz. Im Idealfall entsteht eine konzentrierte, ungestörte Leseumgebung. Informationen lassen sich in Ruhe verinnerlichen, ohne von externen Faktoren abgelenkt zu werden. „Deep Reading“ wirklich old school? Folglich ist die Leseerfahrung, die Wahrnehmung gedruckter Inhalte eine andere. Der Rezipient wird nicht attackiert und kann sich nicht berieseln lassen, er ist liest aktiv und bewusst, vertieft und fokussiert. Der entsprechende Terminus lautet Deep Reading. Die University of California hat in einer Studie nachgewiesen, dass gedruckte Texte länger im Gedächtnis bleiben. Notfalls lässt sich halbwegs vergleichbares sogar aus online vorliegenden Medienangeboten generieren. Es folgt eine Selbsterfahrung des Autors, der bekennender Old-School-Leser ist: Readerfunktion nutzen, den puren Text als PDF speichern, als Dokument inhalieren. Das ist zwar immer noch digital, trickst jedoch all die Gimmicks aus, die gemeinhin auf den Webseiten Kapriolen vollführen und um optische Hinwendung buhlen. Gleichwohl, dann fehlt immer noch die Haptik, der besondere Bonus bei Bedrucktem: das Blättern durch Seiten, das Fühlen des Papiers, das visuelle Erleben, die Greifbarkeit eines Dokuments. So was vermittelt Hochwertigkeit, Substanz und Seriosität, schafft überdies eine emotionale Verbindung – und lässt sich außerdem schöner archivieren als ein seelenloses Sammelsurium voller Karteileichen in den digitalen Katakomben des Computers. Nicht von ungefähr beschwören Schöngeister das Wispern der Bücher im Regal. Schon der antike römische Politiker und Philosoph Cicero wusste: „Wenn du einen Garten und dazu noch Quelle: Zukunftsinstitut (Frankfurt), Die Evolution der Medien, www.zukunftsinstitut.de/zukunftsthemen/die-evolution-der-medien, 14. Dezember 2023 golfm a nager Ausgabe 6 / 18 N G 14043 Die Fachzeitschrift für Führungskräfte und Betreiber Köllen Druck + Verlag GmbH · Postfach 4103 54 · 53025 Bonn Weitere Themen: O Gastronomie: Schlüsselkompetenz der Golf-Anlage O Der Pro-Shop – ein Nachruf? O Die zukunftsfähige Driving-Range Vorsorge und Krisenmanagement gefragt Brandheißes Thema auf Golfanlagen Vorbeugen statt löschen golfm a nager Die Fachzeitschrift für Führungskräfte und Betreiber GOLF MANAGEMENT VERBAND DEUTSCHLAND Ausgabe 2 / 23 O G 14043 INTELLIGENZ KÜNSTLICHE … AUCH AUF GOLFANLAGEN? Weitere Themen: O Gedöns um die Gender-Tees O Der Pro-Shop – eine Standortbestimmung O Ergebnisse Pflanzenschutz-Kontrollen Kommunikation und Wissen 2.0 ChatGPT und die Folgen von KI Köllen Druck+Verlag GmbH | Ernst-Robert-Curtius-Str. 14 | 53117 Bonn … golfmanager 6/2018 ... … und golfmanager 2/2023. „Der Bonus bei Bedrucktem: die Haptik, das Blättern durch Seiten, das visuelle Erleben. So was vermittelt Hochwertigkeit, Substanz und Seriosität, schafft eine emotionale Verbindung.“
RkJQdWJsaXNoZXIy ODM4MTc=