golfmanager 01/2025

12 30 JAHRE GOLFMANAGER golfmanager 1 / 25 VERSUCH EINER EINORDNUNG Der golfmanager als Teil der Golfgeschichte Deutschlands War es sehr mutig, vor 30 Jahren den golfmanager aus der Taufe zu heben? Aus betriebswirtschaftlicher Sicht von Klaus-Jürgen Bleeck ganz bestimmt. Aus sportpolitischer Sicht vielleicht weniger, denn viel war in der deutschen Golflandschaft gerade in Bewegung. In Band 4 der DGVChronik zum 100-jährigen Verbandsjubiläum wird so auf die damalige Zeit geblickt: „Der Trend zur Kommerzialisierung im Golfsport wirkt sich auch in den Vereinen aus. Die neuen Clubs sind kommerzieller ausgerichtet als die traditionellen. Konsequenzen ergeben sich aber auch innerhalb der Vereine. Ähnlich wie beim Verband tritt die Bedeutung des Ehrenamtes gegenüber den hauptamtlich Beschäftigten zurück. Gerade die jüngeren Golfplätze, die sich am Markt etablieren möchten und die Schulden der Projektfinanzierung schnellstmöglich decken wollen, können es sich heutzutage nicht mehr leisten, der Geschäftsführung der Anlage in Teilzeitarbeit nachzugehen und sich auf Freiwillige zu verlassen. Es entsteht ein Professionalisierungsdruck im Golfmanagement, und in seiner Folge gründet sich 1994 der Golfmanager Verband Deutschland (GMVD). Der Golfsport, so schreibt die Verbandszeitschrift des GMVD, und sein gesamtes Umfeld, befinden sich in einem Wandel, dem sich Clubvorstände nicht mehr verschließen können, wenn sie ihre Clubs und Anlagen zukunftsorientiert, erfolgreich und wirtschaftlich führen wollen. Die hauptamtlich Beschäftigten gewinnen [...] eine zunehmende Bedeutung und entwickeln daraus ein gestärktes Selbstbewusstsein: Manager sind keine Erfüllungsgehilfen ehrenamtlicher Funktionäre, sondern Führungskräfte mit eigenem unternehmerischen Profil!“ Aber die Gründungszeit des golfmanager lässt sich auch als „Zeit des journalistischen Aufbruchs im Golf in Deutschland“ beschreiben: Neben einer Vielzahl schon etablierter und entstehender Golfbeilagen von Tageszeitungen, tummeln sich mehr als ein halbes Dutzend Magazine am Kiosk und in den Sekretariaten der Clubs. Während hier allerdings die schärfer werdende Konkurrenz und Einbrüche im Anzeigenmarkt in der Folge für deutliche Korrekturen sorgen, ist der golfmanager noch heute auf Kurs. Und der Grund liegt auf der Hand: Die Branche als Adressatenkreis, ein nicht in Frage stehender Bedarf und ein hoher Nutzwert – echte Alleinstellungsmerkmale. Der golfmanager war schon damals nicht etwa nur ein „Kind seiner Zeit“. Vielmehr hat er erstmals in Tiefe und Breite den Themen aus dem „Motorenraum“ der deutschen Golfanbieter Raum und Stimme verschafft. Keine Selbstverständlichkeit, gerade zur damaligen Zeit. Denn wer noch nicht allzu lange seinen heutigen Beruf im Golfmanagement gefunden hat, der mag kaum einordnen können, wie sich Golf damals darstellte. Zur Illustration: Zehn Jahre, bevor der golfmanager aus der Taufe gehoben wird, gewinnt Bernhard Langer 1985 seinen ersten Masters-Titel, ein Jahr später wird die erste offizielle Weltrangliste eingeführt, bei der Langer gleich auf Platz 1 steht, allerdings „nur“ für drei Wochen, bevor er Severiano Balesteros den Vortritt lassen muss. Da müssen wir noch fast zehn Jahre lang auf den golfmanager warten, beim zweiten Masters-Titel 1993 allerdings nur noch zwei. Drei Jahre vor Geburt der Zeitschrift ruft der DGV anlässlich der German Open 1992 die Initiative „Golfer für Golfer“ ins Leben: Auf dem Turnierplakat heißt es: „Zur Förderung des Golfsports in den osteuropäischen Nationen und in den fünf neuen Bundesländern ruft der DGV seine Mitglieder zu folgender Aktion auf – für jeden gebrauchten und voll funktionsfähigen Golfschläger erhält der Absender einen Gutschein. Verbunden damit ist der freie Eintritt an einem der Turniertage.“ Und wer kann die richtige Antwort auf die Frage geben, wen es länger gibt, den golfmanager oder die Vereinigung clubfreier Golfspieler im DGV e.V. (VcG)? Richtig, die VcG: Sie ist als Gründung des DGV, Januar 1993 Anbieter clubfreien Golfens. 1994 tritt Jan Brügelmann nach zwölfjähriger Amtszeit als Präsident des DGV nicht erneut an und Dr. Wolfgang Scheuer wird neuer Präsident, der den golfmanager dann immerhin 15 Jahre in diesem Amt durch die Zeit begleiten wird. Und ja, da ist er nun, der golfmanager mit seiner Ausgabe 1. Nach amerikanischem Vorbild und mit Lizenz der USGA werden ab 1996 sämtliche deutsche Golfplätze erstmals einheitlich vermessen und nach dem neuen Course-Rating-System bewertet. Ein riesiger Aufwand, der erst im Januar 2001 ein Ende findet. Erstmals gibt es bundesweit unterschiedliche Spielvorgaben für die ja unterschiedlich schwierigen Plätze. Und auch das gehört zur „ganzen Wahrheit“: Anfang der 2000er-Jahre existieren in Deutschland nach wie vor Golfclubs, die kein oder nur sehr eingeAlexander Klose, DGV-Vorstand Services, Recht und Kommunikation (Foto: DGV)

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