24 30 JAHRE GOLFMANAGER golfmanager 1 / 25 KRITISCHE DISTANZ, ANREGUNGEN FÜR POSITIONIERUNG UND OPTIMIERUNG Herausforderungen und Chancen der letzten und nächsten 30 Jahre 1995 – ein Jahr mit weitreichenden Ereignissen: Österreich, Finnland und Schweden traten der EU bei, in Miami wurde der Frankfurter Bauunternehmer Jürgen Schneider verhaftet (viele kannten ihn nur flüchtig ...), die Bundesregierung beschloss den Umzug von Bonn nach Berlin und „Run, Forrest, Run“ Gump wurde mit sechs Oscars ausgezeichnet. Zudem wurde in Deutschland mit der Pflegeversicherung das Sozialversicherungssystem nochmals erweitert. Golf kannte ich damals nur als Freizeitaktivität meines (älteren) Geschäftspartners, meine Heimat war die Touristik. Diese boomte dank der deutschen Wiedervereinigung weiterhin kräftig, bekannte Marken wie die TUI, Neckermann und DER prägten die Landschaft, im Luftverkehr schickte sich Air Berlin an, der Lufthansa Konkurrenz zu machen – welche erst zwei Jahre später vollständig privatisiert werden sollte. In den folgenden Jahren beschäftigten zwei Golfkriege und eine globale Finanzkrise Unternehmen wie Bürger, ich hatte mich für das Golfspiel als Freizeitbeschäftigung entschieden und 2007 ergänzten wir unser Unternehmensportfolio neben der Touristik um den Golfsport. Nur kurze Zeit später rief der golfmanager – und wer kann einem solchen Ruf schon widerstehen?! Was folgte, war ein vielfältiger Blick auf die deutsche, aber auch internationale Golfszene: mit eigenen Internetportalen, in Verbindung mit zahlreichen touristischen Projekten, als Berater in Touristik und Golf und natürlich als Fachautor für den golfmanager sowie immer wieder auch für Publikumszeitschriften. Der Blickwinkel hat sich dabei nicht verändert: Mit der Erfahrung als Unternehmensberater mit starker touristischer Prägung im Hintergrund und einer klaren Ausrichtung auf Zahlen und die Kundenperspektive durfte ich das Golfgeschehen in Deutschland, aber auch im Ausland kritisch verfolgen und darüber berichten. Schnell wurde deutlich, dass Golf in Deutschland sich in vielerlei Hinsicht von anderen Ländern unterschied und unterscheidet: Es gibt, anders als vor allem in Großbritannien, Frankreich oder den USA, keine echten Privatclubs. Zudem wird in Deutschland die Besitzform meist mit der Managementform kombiniert: Bei Vereinen in Mitgliederhand bestimmt fast immer das Ehrenamt die Geschicke des Clubs, ein eigenständiges Management wie in den USA wird nur selten eingesetzt. Gerade die vielen Auslandsreisen zu Golfanlagen unterschiedlichster Couleur haben gezeigt, dass Golfmanagement in Deutschland oft anders interpretiert und gelebt wird. So gibt es bis heute keine echten Communities mit Immobilien rund um eine Golfanlage – obwohl dieses Modell international bestens funktioniert und viele Deutsche dort ebenfalls investiert haben. Auch beim Thema „Resorts“ tut sich Golf-Deutschland schwer, meist handelt es sich letztlich doch um Hotels mit Golfplatz, aber nicht um integrierte Resorts im Stile eines Pinehurst oder Pebble Beach. Auffällig auch, dass der deutsche Golfer wie kaum eine andere Nationalität im Heimatmarkt als Schnäppchenjäger beim Greenfee unterwegs ist: Nirgends sonst sind Discountsysteme zu Greenfees so verbreitet wie in Deutschland – und wachsen weiter. Anlagen-Management als Aufgabe für Quereinsteiger Auch bei der Ausbildung und den beruflichen Werdegängen hat Deutschland seinen eigenen Weg gewählt: Während weltweit PGA-Pros renommierte Anlagen führen, bleibt Deutschland vor allem bei Betrieb und Management das Land der Quereinsteiger. Eine echte universitäre Ausbildung, wie sie beispielsweise in den USA angeboten wird, fehlt. Apropos Universität: Auch der Werdegang im Profisport ist in Deutschland anders gestaltet, ein dem US-Collegesystem vergleichbares System fehlt, weshalb immer mehr hochkarätige deutsche Nachwuchsspieler auf dem Weg zur Profikarriere heute den Weg über US-Colleges einschlagen. Innovationsland Deutschland? Leider präsentiert sich Deutschland im Golfsport auch in Sachen Innovationskraft nur bedingt schlagkräftig: Gerade im Bereich Technologie wird in Deutschland (zu) wenig investiert, obwohl es in den vergangenen Jahren immer wieder sehr gute Lösungen gab. Das führt auch dazu, dass das Kundenerlebnis für Golfer in Deutschland weitgehend einheitlich ist, im internationalen Vergleich allerdings leider eher im Mittelfeld – kurz gesagt: Über die vergangenen Jahre hat man eher versucht, mit international eher niedrigen bis sehr niedrigen Greenfees und Mitgliedsbeiträgen zu arbeiten, anstatt in das Kundenerlebnis zu investieren und damit höhere Erträge im Markt durchzusetzen. Ein Blick auf den Sport Beim Profi-Turniersport haben die vergangenen Jahrzehnte ein Wechselbad der Gefühle mit sich gebracht: Das Michael Althoff, MC Management Consulting GmbH, seit 2013 Mitglied der golfmanagerFachredaktion
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