30 JAHRE GOLFMANAGER 33 1 / 25 golfmanager Halbflugbälle, die in den USA für das Golfen auf kleinen Anlagen entwickelt worden waren: voller Schwung mit normalen Schlägern, aber in etwa die halbe Flugdistanz. Die Akzeptanz war allerdings gering, sodass wir bald auf „normale“ Golfbälle umstiegen. Angeboten wurde „Golf für jedermann“ (Gendern war damals noch kein Thema). Unterricht erteilten jugendliche Single-Handicapper aus umliegenden Clubs (was gemäß Amateur-Statut verboten war). Unsere Werbung bestand u.a. darin, dass wir mit unseren Golftrolleys durch die Fußgängerzone zogen und Handzettel verteilten oder auf Stadtfesten ein Netz mit Löchern aufbauten und Besucher dazu animierten, Bälle durch die Löcher zu chippen. Der Spaß stand klar im Vordergrund. Da wir ursprünglich keine „offizielle“ Golfanlage hatten, richteten wir unser eigenes Handicapsystem ein. Wir spielten Turniere mit Siegerehrungen und Pokalen, die gastronomische Verpflegung war selbstgemacht. Der Erfolg war beeindruckend. Wir sorgten für viele Neugolfer, hatten aber auch Mitglieder, die uns lange begleiteten. Aufgrund der geringen Investitionen und überschaubaren laufenden Kosten war der wirtschaftliche Erfolg phänomenal. 25 Jahre nach Inbetriebnahme mussten wir diese Anlage allerdings aufgeben. Aus dem Gelände wurde Bauland. Know-how aus Großbritannien und den USA Teil meiner „Ausbildung“ waren Reisen in die USA und nach England. Während man in England die Vergangenheit studieren konnte, gab es in den USA alles theoretisch denkbare in x-facher Form realisiert, gefährlich für einen jungen Unternehmer, der zwar unternehmen wollte, seine realisierbare Position im Markt aber noch finden musste. Mit „US-Flausen“ im Kopf ging es an die Realisierung des ersten großen Projektes Anfang der 90er Jahre: Golfplatzarchitekt aus den USA, Aufbau der Grüns nach USGA-Norm, Mähen der Grüns mit handgeführten Mähern, Pros vom PGA-National, Referenten von Pebble Beach und Doral, Aufnahmegebühren im fünfstelligen Bereich … Es begann vielversprechend, aber es war die Zeit des grundlegenden Marktwandels. Für die vergleichsweise hohe Zahl an neuen Golfanlagen wuchs die Zahl der Neugolfer nicht schnell genug. Um die hohen Unterhaltskosten zu decken, die sofort mit Eröffnung einer Golfanlage entstehen, mussten schnell neue Golfer bzw. Mitglieder gewonnen werden. Die Preise purzelten, ein Sonderangebot jagte das nächste, es begann die Zeit der Schnupper-, Jahres- oder Teilmitgliedschaften. Zudem gründete der Deutsche Golf Verband (DGV) 1993 die Vereinigung clubfreier Golfer (VcG), die sich als Booster des Wettbewerbs entwickelte. Eigentlich als Heimat für „Wildgolfer“ (derartige Stigmatisierungen waren damals gang und gäbe) gedacht, erwies sich die VcG auch Dank der Promotion durch den DGV schnell großer Beliebtheit. Man konnte Teil der Golfergemeinde werden, ohne gleich einem „traditionellen“ Golfclub beitreten zu müssen. Nur: Jede Verzögerung des Beitritts zu einem Golfclub verschärfte dessen wirtschaftliche Schwierigkeiten. Waren hohe Aufnahmegebühren oder „Spenden“ Anfang der 90er Jahre noch üblich, schmolzen diese mit Zunahme des Wettbewerbs wie Schnee in der Sonne. Auch das Bewusstsein der Golfinteressierten änderte sich radikal. Galt es Anfang der 90er noch als normal, einen Aufnahmeantrag stellen zu müssen, von dem man nicht wusste, ob er angenommen würde, wusste man spätestens seit 1994: Wenn der eine Golfclub mich nicht will, gehe ich zu einem anderen – oder zur VcG. Der Markt hatte sich von einem Verkäufer- zu einem Käufermarkt gewandelt. Dieser Wandel ließ die Blütenträume vieler Investoren platzen. Sie hatten im Glauben an das Paradies hohe Investitionen getätigt getreu dem Motto: Über Geld redet man nicht, das hat man. Und wenn Golf, dann natürlich eine „Meisterschaftsanlage“, wobei nie wirklich klar war, was das eigentlich sein sollte. Das 19. Loch war dann nicht die Gastronomie, sondern die Anlage selbst. Denn deren Betriebskosten fielen mit dem Tag der Eröffnung zu 100 % an, völlig unabhängig davon, wie viele Golfer die Anlage nutzten. Nicht selten egalisierten die operativen Verluste der ersten Betriebsjahre das ursprüngliche Investitionsvolumen. Neustart mit 10 Jahren Branchenerfahrung Mitte der 90er Jahre hatte ich das große Glück, noch einmal völlig von vorne anfangen zu können. Vor dem Hintergrund von 10 Jahren intensivster Branchenerfahrung waren die Schlüs1999 eröffnet und mit all der Erfahrung seit Mitte der 1980er Jahre ausgestattet: Dr. Veltes Stammanlage „Sankt Urbanus“ am südlichen Rand von Köln (Alle Golfplatzbilder: M. Althoff)
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