golfmanager 01/2025

34 30 JAHRE GOLFMANAGER golfmanager 1 / 25 selfaktoren für den langfristigen Erfolg im Betrieb einer Golfanlage klar: unbedingte Entscheidungshoheit in allen Bereichen, um auf alle Marktentwicklungen in der Zukunft reagieren oder diese gestalten zu können; Investitionen in Bereiche, die von (Durchschnitts-)Golfern wahrgenommen und geschätzt werden; Schaffen von Strukturen unter Beachtung der Folgekosten (Platzpflege etc.); Differenzierung der Angebote für verschiedene Marktsegmente; Primat der Dienstleistung. Aus Sicht der Golfer waren und sind die Besonderheiten unserer Anlage, dass sie ein faires Design mit herausfordernden Grünbereichen besitzt und dass wir praktisch für jeden Golfertypus ein passendes Angebot haben. Von Anbeginn an haben wir die Nutzung unserer Anlage über die Vergabe von Startzeiten organisiert (unabdingbare Voraussetzung für differenzierte Angebote!) und auf bargeldlose Bezahlung gedrängt. Durch letztes haben wir bewusst auf bestimmte Kundengruppen verzichtet. Kern unserer „Marke“ war die Dienstleistungsorientierung. Buchstäblich jeden Tag waren wir ab 8 Uhr und bis mindestens eine Stunde nach Sonnenuntergang vor Ort persönlich ansprechbar, und das auf eine betont freundliche, kundenorientierte und hilfsbereite Weise. Erst die Personalknappheit im Zuge der Corona-Krise brachte uns zu einem Schwenk um 180°: Nicht in der Erbringung von schlechten Dienstleistungen sah ich die Zukunft, sondern in der Automatisierung/Digitalisierung aller Routinetätigkeiten durch eine zuverlässige IT und damit Schaffen von Freiräumen für die Erbringung von Dienstleistungen, die für das Wohlbefinden der Besucher und die Bindung aller Kunden notwendig und wichtig sind. Konsequente Automatisierung und Digitalisierung mit Corona Auch hier wieder das Thema Konsequenz: Buchungen von Startzeiten über das Sekretariat sind grundsätzlich zwar weiterhin möglich. Da sie aber teurer sind als Online-Buchungen, werden sie extrem selten genutzt. Selbstverständlich erfolgt die Bezahlung eines Greenfees direkt bei Buchung, bargeldlos wie auch in der sonstigen digitalen Shoppingwelt. Über No-shows oder offene Posten müssen wir uns seitdem keine Gedanken mehr machen, verzichten weiterhin aber auf Gäste, die vor Ort über ein Sekretariat buchen oder bar bezahlen möchten. Da das Golfen an sich schon schwierig genug ist, haben wir immer nach Erleichterungen gesucht getreu dem Motto unseres Senior-Golfplatzarchitekten: go out and have fun. Freiheit, wo möglich, Regeln, wo nötig. An der Vorlage formaler Nachweise für eine Spielberechtigung („Platzerlaubnis“) waren wir nie interessiert, die Vorlage eines DGV-Ausweises haben wir nie verlangt. Der Nachweis einer Platzerlaubnis war und ist bei uns nicht vonnöten. Wenn jemand dafür bezahlt, unsere Anlage nutzen zu dürfen, so ist unser einziges Anliegen, dass er sie so nutzt, dass niemand sonst seinen Besuch bemerkt. Unter dieser Voraussetzung ist es uns egal, wie jemand spielt oder ob sein Spiel ihm Spaß macht, es ist schlicht „sein Bier“. Wenn es jedoch keinen Spaß macht, stehen unsere PGA-Pros gerne hilfreich zur Seite. Wir haben immer alle Möglichkeiten der Flexibilisierung oder Erleichterung genutzt, wenn unser Verband sie abgesegnet hatte: Starthandicap von -54 statt -36, 9-Löcher-Turniere, private vorgabenwirksame 9-Löcher-Runden, Liberalisierung der Voraussetzungen für Spieler und Zähler zur Erlangung vorgabenwirksamer Ergebnisse in Privatrunden etc. Als ich im Jahr 2002 von einer Golfreise aus Arizona zurückkehrte und begeistert war von den dortigen roten Linien entlang der Fairways, schlug ich diese der damaligen Führung unseres Verbandes zur Erleichterung des Spiels auf unserer Anlage vor. Reaktion: strikte Ablehnung! Heute sind unsere Spielbahnen links und rechts durchgängig rot gepflockt, Spielgeschwindigkeit und Spaß am Sport sind gestiegen. Ein erstes Resümee Offensichtlich haben wir auf unserer Anlage nicht viel falsch gemacht: rund 1.800 Mitglieder über alle Mitgliedschaftsformen, noch einmal so viele Gastspieler, regelmäßig mehr als 50.000 Spielrunden im Jahr, über 3 Millionen geschlagene Übungsbälle p.a., eine Umsatzrendite jenseits der 30 %. Unsere Anlage wird genutzt, und unsere Kosten haben wir im Griff. Golf als Sport habe ich 1988 erstmals auf einer Driving-Range in der Wüste Tunesiens kennengelernt. Animateurin war eine Amateurin aus Münster. Eine formale Prüfung zur Platzerlaubnis habe ich nie abgelegt. Ich habe selten gespielt, weil ich froh war, nach einem arbeitsreichen Tag auf der Golfanlage, an dem ich mich schlicht um das Wohl Golfanlage St. Urbanus, Köln

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