30 JAHRE GOLFMANAGER 35 1 / 25 golfmanager meiner Kunden gekümmert hatte, nach Hause fahren und die Füße hochlegen zu können. In meinen Anfangszeiten und noch lange Zeit danach wurde die „Schwierigkeit“ einer Golfanlage ausschließlich nach dem Standard Scratch Score (SSS) bewertet, der auf der Länge der Golflöcher basierte. Vorgabenwirksame Wettspiele wurden in der Regel nach Stableford gespielt, Herauf- oder Herabsetzungen des Handicaps erfolgten nach dem CONGU-System. Nach jedem Turnier konnte die Siegerehrung unter Nennung des neuen Handicaps stattfinden, das dann auch galt. Es waren einfache, für jeden gut nachvollziehbare Systeme, die zu fairen und akzeptablen Ergebnissen führten. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Mit der Einführung des Course Rating und Slope hat der DGV versucht, eine genauere und „gerechtere“ Bewertung der Golfanlagen vorzunehmen. Ich kenne kaum einen Golfspieler, der a) das System versteht und/oder b) es für essenziell für seine korrekte und faire Spielbefähigung hält. Gleiches gilt für den HCPI. Wem also nützt es? Endlich mehr selber golfen Nachdem ich Jahrzehnte durchschnittlich vielleicht alle zwei Monate eine Runde gespielt oder – genauer – mich über die Anlagen gequält hatte, spiele ich seit etwa fünf Jahren regelmäßig Golf. Nahezu jeden Samstag um 10 Uhr stehe ich am Abschlag. Wir spielen zu viert, Zählspiel brutto, also „real golf“, aber zwei gegen zwei im Scramble. Selbstverständlich muss der Ball gespielt werden, wie er liegt, gerne aber, nachdem wir ihn hingelegt haben. Ist das Sport? Macht das Spaß? Unbedingt! 18 Löcher Bewegung in den Knochen ist Sport, und sportlichen Ehrgeiz haben wir entwickelt, denn jeder möchte gewinnen. Sollte einmal einer einen schlechten Tag erwischt haben und eine Mannschaft nach 9 Löchern hoffnungslos zurückliegen, wird eben durchgetauscht und ein neues Spiel begonnen. Sport ist es doch nur dann, wenn beide Gegner eine Chance haben. Auf unserer Anlage ist die Tendenz eindeutig. Der Anteil der am Handicap interessierten Spieler nimmt stetig ab. Viele sind am Handicap nur solange interessiert, bis eine Zahl erreicht ist, die einem den Zugang zu „allen“ Golfanlagen ermöglicht. Das Handicap erspielt man vorzugsweise in Privatrunden, häufig mit einem Zähler, der früher „Naserümpfen“ hervorgerufen hätte. Meines Erachtens ist Golf ein Sport für Erwachsene. Man braucht eine gewisse innere Ruhe, um diesen Sport ausüben zu können. Selbstverständlich haben wir eine Jugendabteilung mit stets etwa 100 Teilnehmern, einen Jugendförderverein etc. Unser Fokus jedoch liegt auf der Betreuung von (älteren) Erwachsenen, angefangen vom Unterricht, der sich an den körperlichen Möglichkeiten der Klientel orientiert, über Gruppen zur Förderung sozialer Kontakte und Zugehörigkeit bis hin zu einer Gastronomie mit golfergerechtem Angebot und aufmerksamer Bedienung. Ein kritischer Ausblick Mit dem Fokus auf leichtem Zugang zum Golfsport und zur Golfanlage, gepaart mit freundlicher Betreuung aller Besucher mache ich mir keine Sorgen um die Zukunft. Die demographische Entwicklung verspricht meines Erachtens zumindest für die nächsten 20 Jahre genügend Geschäftspotenzial. Es liegt an jeder Anlage selbst, etwas daraus zu machen. Und die Rolle der Verbände? Zweifellos ist es wichtig, die Arbeit der Protagonisten vor Ort weiter zu professionalisieren. Immerhin muss jeder dazu beitragen, ein in der Regel siebenstelliges Asset mit einem siebenstelligen Jahresumsatz (über alle Abteilungen) zu verwalten. Unsere Branche ist klein und wird es wohl auch bleiben, denn neue Golfanlagen wird es aufgrund der hohen Markteintrittsbarrieren und problematischen Renditeaussichten kaum noch geben. In aller Regel werden wir neue Mitarbeiter in der Kundenbetreuung, im Management und im Greenkeeping, also aus anderen Branchen rekrutieren und „on the job“ integrieren müssen. Hierbei können die Verbände helfen. Das wichtigste für eine prosperierende Zukunft ist aber die Einstellung der Führungspersönlichkeiten. „Möglichst viel von möglichst wenigen“ nehmen zu wollen, ist nur an ganz wenigen Standorten realisierbar und birgt das Risiko in sich, von diesen „wenigen“ dann auch abhängig zu sein. Für die meisten Standorte wäre ein „möglichst wenig von möglichst vielen“ die richtige Strategie. Nur ein Wechsel von der ersten, meistens ursprünglich gewählten Strategie zur Alternative ist extrem schwierig, wenn in manchen Fällen aber zwingend notwendig. Die Einstellung, Golf sei toll und meine Anlage sowieso, das sei doch für jedermann offensichtlich und müsse für die Akquisition genügen, ist schlicht arrogant. Im Zweifel konkurrieren wir nicht mit anderen Golfanlagen um Neukunden, sondern mit anderen Formen der Freizeitgestaltung. Da gibt es Branchen, die hoch professionell aufgestellt sind, weil sie einem hohen Konkurrenzdruck unterliegen. Die kennen und leben den Schlüssel zum Erfolg: die Dienstleistung, der unbedingte Wille, jeden Besucher willkommen zu heißen und ihm durch persönliches Zutun eine schöne Zeit zu bereiten. „Ich habe praktisch jeden golfmanager seit der ersten Ausgabe gelesen. Für mich ist es ,das‘ Fachmagazin für unsere Branche. Wünschen würde ich mir noch mehr Beiträge von Insidern/ Praktikern aus den Betrieben vor Ort, denn ich glaube, dass jeder etwas Besonderes zu berichten hat.“
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