38 30 JAHRE GOLFMANAGER golfmanager 1 / 25 KRITISCHE ANALYSEN, ABER AUCH BEITRÄGE ZUM TRÄUMEN Golfplatzdesign: Professioneller und differenzierter 30 Jahre golfmanager: Das bedeutet für mich auch 30 Jahre Golfplatzarchitektur in Deutschland. 1995, ich war noch relativ neu im Geschäft, hatte der deutsche Golfmarkt seinen großen Boom fast schon hinter sich. Knapp 550 Golfclubs waren entstanden. In Deutschland gab es kaum erfahrene Golfplatzdesigner. Seitdem hat sich die Golfplatzarchitektur in Deutschland extrem gewandelt. Das beginnt bei der Genehmigungsphase, in der ideologische Diskussionen mit Fachbehörden keine Rolle mehr spielen. Zwar hat der bürokratische Aufwand bei der Genehmigung zugenommen, weil sich manches Gesetz verschärft hat, generell aber haben Fachbehörden inzwischen eine weit höhere Expertise, was Golfanlagen anbelangt. Verschärft hat sich die Situation hier im Hinblick auf die Genehmigung von Wasserentnahmen, während das Verständnis dafür, dass Golfanlagen Flächen in Sachen Biodiversität durchaus aufwerten können, gewachsen ist. Deutschlands Golfszene hat sich professionalisiert: Mit Blick auf Projekte wie Das Achental, den Golfpark Weiherhof, die Golfanlage Open 9 oder das Redesign des Stuttgarter und Olchinger GC zeigt sich, wie unterschiedlich die Produkte inzwischen sind: Sie reichen von Resort- und Hotelanlagen, über öffentliches Pay-and-Play bis zu Golfplätzen, die je nach Abschlag eben auch Spitzenspieler fordern. Diese Differenzierung werden wir in den nächsten Jahren noch mehr beobachten: Die genaue Analyse der Zielgruppe führt zur Definition eines Platzdesigns, das am Ende auch wirtschaftlichen Erfolg verspricht. Manchmal ist das die Kompaktanlage, an anderer Stelle sind es 27 Löcher. Sicher ist nur: Einen Standard-18-LöcherPlatz, der immer und für alle passt, gibt es nicht. Diese kritische Analyse hat auch der golfmanager in den vergangenen 30 Jahren in seinen Artikeln immer durchgeführt. Aus der ersten Euphorie für ein Golfprojekt ein Produkt zu entwickeln, das zur Landschaft passt, spielerisch attraktiv ist und sorgfältig mit den Ressourcen umgeht, erfordert Struktur, Planung, Wissen und Professionalität. Ein Medium, das solchen Fragen auch auf mehreren Seiten Platz gibt, ist wichtig, weil nur so die Komplexität von Golfplatzarchitektur klar wird. Hinzu kommt, dass Innovationen beim Bau und bei Materialien, genauso wie die Digitalisierung von Planungen und Berechnungen inzwischen deutlich bessere Endprodukte ermöglichen. Moderne Golfplätze sind auf Wetterextreme besser eingestellt, leichter zu pflegen und oft strapazierfähiger. Das ist angesichts der Herausforderungen des Klimawandels auch notwendig. Das sind Aspekte, die in einem Fachmagazin dargestellt und abgewogen werden müssen, um Fehlentscheidungen von Investoren und Clubverantwortlichen zu vermeiden. Am Ende sorgt ein Print-Magazin aber auch immer dafür, dass man ein wenig träumen darf – von großartigen Golfplätzen, interessanten Grüns, abwechslungsreichem Verlauf, sensationellen Ausblicken. Der golfmanager entführt die Golfer ins Ausland. Ich habe an dieser Stelle Projekte wie Son Gual auf Mallorca oder das Redesign des Züricher Golfclubs vorgestellt. Vielleicht folgt irgendwann eine Reportage des neuesten Projektes nahe Hanoi in Vietnam. Der Bau von Golfplätzen dauert meistens Jahre – aber das Gute ist ja, der golfmanager bleibt. Traumhaft: Son Gual, Mallorca (Fotos: Privat) Thomas Himmel, Golfplatzarchitekt
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