golfmanager 01/2025

60 MANAGEMENT golfmanager 1 / 25 lich für Turniere. „Ich selbst habe über Jahrzehnte immer sehr gerne Turniere gespielt und fördere das Wettkampfangebot sowohl im Individual- als auch im Mannschaftssport in unserem Club, aber die Mehrheit unserer Kunden präferiert die entspannte Golfrunde“, so der Unternehmer. Spricht man ihn auf die Angebotsseite an, geht May grundsätzlich von einem Überangebot in der deutschen Landschaft aus. Ursache nach seiner Erfahrung: Zu viele Golfanlagen wurden in den vergangenen Jahrzehnten alimentiert, anstatt vom Markt genommen zu werden. Hier nimmt er allerdings einen einsetzenden Sinneswandel wahr, immer weniger Mitglieder, Betreiber oder externe Investoren seien zum dauerhaften Ausgleich von Verlusten bereit. Erst mit dem Ausscheiden solcher Anlagen sei es wahrscheinlich, dass sich wieder ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage einstellen werde. Dabei legt May, nicht zuletzt mit Blick auf seine Verbandstätigkeit im DGV-Präsidium, viel Wert darauf, dass er die gerne genutzte Differenzierung zwischen Betreiberanlagen und Vereinen in Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit als wenig zielführend empfindet. „Dem Golfer ist es egal, ob es ein Club mit Betreiber oder ein Verein mit oder ohne Gemeinnützigkeit ist – er erwartet ein bestimmtes Produkt, das zum entsprechenden Mitgliedsbeitrag oder Greenfee passen muss“, so der Präsident des fränkischen Clubs. Allerdings, so May weiter, kenne er keine Golfanlage, bei der eine Trennung der bisher gemeinsamen Führung von Club und Betreiber funktioniert habe, diese gehöre – wie von ihm in Würzburg praktiziert – in eine Hand. Ebenso plädiert der Manager für eine realistische Einschätzung der Nachfrage: „Bei uns in Deutschland sind die Golfer über ihre Clubs im DGV registriert – der Verband selbst hat also etwas über 700 Clubs als Mitglieder, nicht die knapp 700.000 registrierten Golfer. Zudem fällt es mir offen gestanden schwer, die oft kommunizierten rund 2,4 Mio. nicht- organisierten Golfer nachzuvollziehen.“ Auch der in Corona-Zeiten propagierte „Boom“ war aus Sicht von May nicht wirklich existent: „Wer als Unternehmer bei gerade einmal 2,7 % Umsatzwachstum von einem Boom spricht, hat schon eine sehr spezielle Sicht auf seinen Markt.“ Sorge bereitet ihm die für Golf-Deutschland insgesamt geringe Bindungsquote. „Jedes Jahr gewinnen wir rund 50.000 neue Golfer, gleichzeitig verlassen aber auch nahezu gleich viele Golfer den Golfmarkt – das bedeutet, wir haben ein riesiges Kundenbindungsproblem“, so May. Er sei daher dem DGV für die Daten rund um dieses Thema sehr dankbar. „Wenn man überlegt, dass 79 % der Neugolfer ihren Club bzw. den Golfsport innerhalb von vier Jahren wieder verlassen, sind das keine guten Ergebnisse“, so der Unternehmer. Für den eigenen Club in Würzburg habe man daher ein Einsteiger-Bindungsprogramm aufgesetzt, um der Entwicklung möglichst erfolgreich entgegenzuwirken. Gerade 2025 könne sich hier zur Herausforderung entwickeln, da die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wenig erfreulich seien und die angekündigten Massenentlassungen in der Automobilbranche und in anderen Branchen auch die Golfbranche betreffen werden. Um dem entgegenzuwirken, benötigen Golfanlagen nach Einschätzung Mays eine stärkere Kundenausrichtung und ein optimiertes Serviceangebot. Bernhard May, engagiert in vielen Funktionen der Golfbranche – als Betreiber und Präsident des GC Würzburg … (Foto: M. Pogoda) … als Präsident der Leading Golf Clubs of Germany oder … (Foto: M. Pogoda) … als Mitglied des DGV-Vorstands, hier eine Aufnahme vom DGV-Verbandstag 2023. (Foto: DGV/Herlich) „Dem Golfer ist es egal, ob es ein Club mit Betreiber oder ein Verein mit oder ohne Gemeinnützigkeit ist – er erwartet ein Produkt, das zum Mitgliedsbeitrag oder Greenfee passt.“

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