golfmanager 01/2025

MANAGEMENT 71 für alle Wochentage anbieten – bis hin zur Mitgliedschaft, die das Greenfeefreie Spiel nur an genau einem Tag pro Woche ermöglicht. Daher kann die maximale Mitgliedskapazität einer Golfanlage nicht für alle Anlagen übergreifend bestimmt werden. Allerdings gibt es eine weitere Komponente, welche im Rahmen der möglichen Mitgliedschaften relevant ist: den DGV Ausweis. Er stellt die zentrale Plattform in der Verbindung zwischen dem Golfer als Mitglied eines lokalen Golfclubs und dem DGV als sportlichem Dachverband und nationalem Handicap-Verwalter dar. Und genau hier greift eine Kapazitätsbegrenzung für die Mitglieder: Zwar kann ein Golfclub auch Mitgliedschaften ohne DGVAusweis anbieten, aber von wenigen Ausnahmen abgesehen, schließt die Mitgliedschaft in einem DGV-Golfclub automatisch den DGV-Ausweis ein. Für diesen gibt es seit vielen Jahren ein Kontingent von 700 Ausweisen pro 9 Spielbahnen. Dabei wird nicht differenziert, ob zum Ausweis eine Vollmitgliedschaft, eine an einzelne Spieltage gebundene Mitgliedschaft oder gar eine Fernmitgliedschaft gehört. Die DGV-Statistiken weisen jährlich die Anzahl der im DGV organisierten Golfclubs und ihrer Spielbahnen an. Für die folgende Berechnung wird davon ausgegangen, dass in den jeweiligen Kategorien immer exakt die Anzahl der genannten Spielbahnen bereitgestellt wird, obwohl es insbesondere unter den Anlagen mit 27 Bahnen auch Clubs mit 36 oder gar mehr Spielbahnen gibt, was ein höheres Ausweiskontingent für den Club zur Folge hat. Aus Gründen der Vereinfachung wird jedoch wie zuvor beschrieben vorgegangen, s. Tabelle 1. In der Praxis dürfte das Kontingent aufgrund der Anlagen mit 36 oder mehr Bahnen nochmals leicht über dem Wert von gut 1 Mio. Ausweisen liegen. Setzt man dieses Maximalkontingent in Relation zur Anzahl der DGV-registrierten Mitgliedschaften, ergibt sich eine Ausschöpfung des Kontingents von gerade einmal 67,8 % – anders formuliert: die Auslastung der im DGV organisierten Golfclubs beträgt in Hinblick auf die Kapazitätsgrenze gerade einmal zwei Drittel. Nun kann man sicherlich trefflich darüber diskutieren, ob 700 Ausweise pro 9 Spielbahnen angemessen, zu viel oder zu wenig sind – sie stellen aber seit vielen Jahren den Status Quo in Deutschland dar. Die Berechnung bestätigt daher die Erkenntnis, dass kaum ein Golfclub in Deutschland einen Aufnahmestopp für Neumitglieder hat. Im Gegenteil: Der Markt verhält sich so, wie es Märkte mit schlecht ausgelasteten Kapazitäten machen – er reagiert über den Preis. Aus Sicht vieler Golfer ist der Wert des DGV-Ausweises in erster Linie die damit verbundene Handicap-Verwaltung, denn in Deutschland kann man einen WHCI nur über den DGV erhalten, dieser ist an die Mitgliedsnummer gemäß Ausweis gekoppelt. Immer mehr Golfanlagen sind dazu übergegangen, den DGV-Ausweis in die laufenden Mitgliedsbeiträge einzupreisen – immer seltener wird er als separate Leistung ausgewiesen und bepreist. Das hängt auch mit der wohl wichtigsten weiteren Konsequenz zusammen: den Fernmitgliedschaften. Diese sind das Ergebnis der bestehenden Überkapazität. Denn wenn ein Golfclub seine Kontingente lokal nicht absetzen kann, liegt die Verlockung nahe, diese Überkapazitäten über den Preis am überregionalen Markt anzubieten. Anders formuliert: Erst durch die Kontingentierung von DGV-Ausweisen ist das Geschäftsmodell „Fernmitgliedschaft“ möglich geworden. Es stellt dabei ein Mitgliedsmodell dar, das dem ursprünglichen Ziel eines Golfclubs konträr gegenübersteht: der Mitgliedschaft und dem Spiel in einem lokalen Golfclub. So war es zu Zeiten von Old Tom Morris, so wird es vielerorts in Deutschland und auf der ganzen Welt weiterhin gelebt. Wer auf mehreren Anlagen pro Jahr häufiger aufteen wollte, hat sich oft für eine zusätzliche Mitgliedschaft in einem weiteren Golfclub entschieden (beispielsweise in der Region des Feriendominizils) – oder spielt dort auf Greenfee-Basis. Die Fernmitgliedschaft ist in Deutschland heute die ultimative Mitgliedschaft für lokale Wenigspieler: Man wird Mitglied in einem Golfclub, ohne dort auch nur eine einzige Runde pro Jahr zu spielen. Der Reiz aus Golfersicht: Man hat eine Handicapverwaltung über die im DGV-Ausweis inkludierte Handicapverwaltung – und der Golfer selbst hat seine Fixkosten für Golf auf ein Minimum reduziert. Wenn dann beispielsweise das Wetter, die Inflation oder gar eine plötzliche Arbeitslosigkeit das verfügbare Budget oder die Spielmöglichkeiten für Golfrunden reduzieren, kann der Golfer hier maximal flexibel reagieren, übrig bleibt pro Jahr lediglich der feste Beitrag für die Fernmitgliedschaft. Umso erstaunlicher, dass sich immer wieder Golfverantwortliche von diesem flexiblen, kostenbewussten und ökonomisch gesteuerten Kundenverhalten überrascht zeigen. Letztlich verhalten sich die die Golfer hier nach dem Minimax-Prinzip: Für einen geringst möglichen Kosteneinsatz sichern sie sich den Zugriff auf die Leistung „Handicap-Verwaltung“ und schaffen die Voraussetzung für freies Spiel auf Golfanlagen, welche Golfern (vor allem mit DGV-Ausweis) offenstehen. Bringen wir es auf den Punkt: So lange Ausweise nach Kontingent und nicht nach tatsächlichem Bedarf pro Golfanlage bereitgestellt werden, wird das Modell „Fernmitgliedschaft“ Teil der deutschen Golfszene sein. Auch Startzeiten unterhalb der Auslastungsgrenze Wie sich der Anteil der Fernmitgliedschaften entwickeln wird, hängt jedoch neben den verfügbaren DGV-Auswei- „Die deutsche Golfbranche leidet an einem Angebotsüberhang, es gibt schlicht zu viele Golfanlagen für die aktuelle Nachfrage.“ Tab. 1: hochgerechnetes Ausweiskontingent für den deutschen Golfmarkt auf Basis der DGV-Statistiken 2024“ (Quelle: DGV-Statistiken) Anzahl Spielbahnen Anzahl Anlagen Ausweiskontingent („hochgerechnet“) 9 Bahnen 147 102.900 18 Bahnen 436 610.400 27 und mehr Bahnen 143 300.300 Summe 726 1.013.600

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