72 MANAGEMENT sen auch von den Spielmöglichkeiten und Greenfees ab. Denn eine Handicap-Verwaltung ohne Spielmöglichkeiten ist auch für kostenbewusste Golfer alles andere als attraktiv. Zwar können Golfer grundsätzlich auch im benachbarten Ausland und im Urlaub spielen, wer jedoch regelmäßig der kleinen weißen Kugel nachjagen möchte, benötigt ein lokales Angebot. Vielleicht erinnern sich einige Verantwortliche noch an das Golfspiel unter Corona-Auflagen: Auf einmal waren die Gruppengrößen auf zwei Spieler begrenzt und viele Fernmitglieder bekamen keine Startzeiten mehr. Infolgedessen traten viele dieser Golfer einem örtlichen Club bei, damit sie überhaupt ihrem Sport nachgehen konnten. Es ist zu vermuten, dass sich viele dieser „Startzeiten-bedingten Neumitglieder“ nach Aufhebung der Vorgaben nun wieder zu einer nicht Anlagen-gebundenen Mitgliedschaft zurückgekehrt sind. Das legt die Vermutung nahe, dass nicht nur die Mitgliedschaftskontingente, sondern auch die Startzeiten auf deutschen Golfanlagen deutlich unterhalb der Auslastungsgrenze liegen. Um diesen Aspekt besser bewerten zu können, wird folgende Näherungsrechnung erstellt, bei der bewusst einige Werte so gewählt wurden, dass die mögliche Anzahl an Startzeiten eher um unteren Ende der möglichen Kapazität ermittelt wird. Setzt man ein Startzeitenintervall von 10 Minuten an, können pro Stunde bis zu 24 Golfer ihre Runde beginnen. Tageslicht-bedingt sollten zudem mindestens zwei volle 18-Löcher-Runden möglich sein, denn im Durchschnitt kann für Deutschland von rund 12 Stunden Tageslicht ausgegangen werden – und Rundendauern von mehr als fünf Stunden sollten ebenfalls die Ausnahme sein, aber es soll hier bewusst mit Durchschnitten gearbeitet werden. Aus diesen Zahlen ergibt sich eine maximale Anzahl an Startzeiten pro Tag von 168. Geht man davon aus, dass sicherlich (Alpin-Regionen ausgenommen) an mindestens 300 Tagen pro Jahr Golf gespielt werden kann, ergibt sich mit diesen Näherungswerten bereits eine Maximalkapazität pro 18-Löcher-Platz von 50.400 Runden pro Jahr. Jede Anlage kann mit ihren exakten Daten ihre individuelle Kapazität punktgenau ermitteln, dies sind nur Näherungswerte. Daher wurden auch keine 9-Löcher-Runden zusätzlich berücksichtigt, viele Anlagen sind zudem an mehr als 300 Tagen spielbar. Den Aussagen vieler Clubmanager zufolge liegt die durchschnittliche Anzahl gespielter Runden pro Clubmitglied bei rund 25 – 30 pro Jahr – auch hier natürlich mit starken individuellen Unterschieden. Dividiert man die im DGV registrierten Golfer insgesamt durch die Anzahl der Anlagen, kommt man auf rund 947 Golfer als Mitglied pro Anlage – natürlich variiert dies zwischen 9-, 18- und 27-Bahnen-Anlagen deutlich. Besagte 947 Golfer kommen im statistischen Mittel somit auf Gesamtrunden pro Anlage zwischen rund 23.700 und 28.400 Runden pro Jahr. Eine Anmerkung des Verfassers an dieser Stelle: Natürlich sollten Golfanlagen hier genaue Werte für ihren Platz vorliegen haben – so sie denn mit Startzeiten arbeiten und sich alle Golfer vor Rundenbeginn ordnungsgemäß registrieren. Anlagen ohne Startzeiten können die tatsächlich gespielten Runden für Mitglieder ansonsten nur mit einer Näherungsrechnung wie hier dargestellt hochrechnen – im 21. Jahrhundert und angesichts der vielen technischen Möglichkeiten, auch für einen automatisierten Check-in, an sich ein nicht mehr haltbarer Zustand. Setzt man die 23.700 bis 28.400 Runden der Mitglieder pro Jahr in Relation zur bewusst nicht zu optimistisch angesetzten Gesamtkapazität von rund 50.400 Runden pro Jahr, ergibt sich eine Auslastung von 47 bis 56,4 %. Anders formuliert: Im statistischen Mittel spielen Clubmitglieder gerade einmal die Hälfte der verfügbaren Startzeiten einer Anlage. Hierin dürfte auch ein Grund dafür liegen, dass in Deutschland Mitgliedschaften weiterhin „Flatfee-Golf“ ohne Rundenlimit bedeuten, denn nahezu überall gibt es noch Kapazitäten für über dem Durchschnitt liegende Runden-Spielhäufigkeiten. Natürlich sollte die tatsächliche Auslastung zudem durch Greenfee-Spieler positiv beeinflusst werden. Wie bereits dargestellt: Um hier eine bundesweite, auf Echtdaten basierende Berechnung durchführen zu können, fehlen verlässliche Branchendaten. In Gesprächen mit vielen Clubverantwortlichen wurde jedoch deutlich, dass die meisten Anlagen mit Greenfee-Spielern auf Rundenanzahlen im niedrigen bis mittleren Tausenderbereich kommen, nur wenige Anlage erreichen oder überschreiten gar die 10.000er-Marke. Anders formuliert: Durch GreenfeeSpieler werden nochmals ca. 10 bis maximal 20 % Kapazitätsauslastung erreicht – ergibt in Summe immer noch selbst im bestmöglichen Fall maximal 76 %, realistischer dürften jedoch Werte um 55 – 60 % sein. Damit wird deutlich, dass sich die tatsächliche Auslastung der Golfplätze in Deutschland auf einem eher niedrigen Niveau bewegt. Letztlich liegt diese bei den meisten Anlagen wohl noch unter der Ausschöpfung der DGV-Ausweiskontingente. Es geht auch anders Auslastung alleine ist natürlich kein Indikator für hohe Umsätze und Wirtschaftlichkeit. Beispiele aus dem Ausland wie der weit über Neuseeland hinaus bekannte Cape Kidnappers lässt seine Gäste nur alle 15 Minuten starten – dafür liegt das Greenfee mit 850 NZD, umgerechnet knapp 470 Euro, selbst für internationale Verhältnisse im oberen Bereich. Für Deutschland gilt jedoch, dass die effektiven Rundenentgelte in Folge von Clubvereinbarungen, Rabattsystemen und sonstigen Nachlässen in der Praxis je nach Quelle in jedem Fall deutlich unter 70 Euro für 18 Bahnen liegt. Aber wie eingangs erwähnt, greifen viele Unternehmen, nicht nur im Golfsegment, bei schwacher Auslastung gerne zum Preis als al- „Die Kapazitätsauslastung liegt maximal bei 76 %, realistischer dürften jedoch Werte um 55 – 60 % sein.“ „Golf in Deutschland ist heute ein Käufermarkt – um die Preise künftig anheben zu können, muss es sich in Richtung Verkäufermarkt bewegen.“
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