dem Meerwasser ausgesetzt und löst sich darin auf.“ Die sprengstofftypischen Verbindungen, ein ganzer Cocktail an verschiedenen Chemikalien, wirke sich auf kleine Meereslebewesen und Fische aus. Hinzu kämen – allerdings untergeordnet – giftige Schwermetalle wie Quecksilber, Blei und Arsen. Böttcher gehört zu denen, die als erste auf die Spätfolgen der Versenkungen vor 80 Jahren aufmerksam machten und dann Wissenschaftler und Behörden miteinander vernetzten. 2011 legte er, damals noch als Mitarbeiter des Schleswig-Holsteinischen Innenministeriums, zusammen mit anderen Fachleuten einen Bericht vor, der die Dimensionen des Problems veranschaulichte. „Da stand plötzlich jemand vor mir mit ein paar Muscheln, die ich untersuchen sollte“, erinnert sich Edmund Maser an die erste Begegnung mit dem Team um Claus Böttcher. Dem Professor für Toxikologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel gelang es, sprengstofftypische Verbindungen wie TNT im Muschelfleisch nachzuweisen. Es sollte noch einmal geraume Zeit dauern, bis diese Ergebnisse in die politische Debatte sickerten und zu konkreten Maßnahmen wie dem Sofortprogramm der Bundesregierung führten. Inzwischen laufen allein in Masers Forschungsabteilung zehn Projekte. Krebserregende Stoffe in Fischen und Meeresfrüchten In einem 2021 mit seiner Kollegin Jennifer Strehse publizierten Aufsatz warnt der Toxikologe, dass die krebserregenden Stoffe beim Verzehr von Fischen und Meeresfrüchten auch in den menschlichen Organismus gelangen können. Noch allerdings fehle es an einer verlässlichen Risikobewertung. Deswegen empfehlen Maser und Strehse weitere Untersuchungen. Dazu gehörten „die Charakterisierung, Quantifizierung und digitale Kartierung von Unterwassermunitionsstandorten; die Bewertung ihrer toxikologischen Risiken sowohl für die marine Ökosphäre als auch für den menschlichen Verbraucher von Meeresfrüchten; die Entwicklung von Modellierungs- und Prognoseinstrumenten zur Bewertung gegenwärtiger und künftiger Risiken, einschließlich Szenarien im Hinblick auf die globale Erwärmung und schließlich die Entwicklung umweltverträglicher Sanierungsmethoden ohne Gefährdung des menschlichen Lebens“. Konventionelle Kampfmittel und chemische Kampfstoffe verunreinigen nicht nur deutsche Gewässer. Vor wenigen u Fotos: GEOMAR, Ilka Thomsen – GEOMAR Vor der norwegischen Nordesseküste, auf Höhe der Stadt Tromsø, liegen die Reste der „Tirpitz“. Das deutsche Schlachtschiff wurde 1944 von den Briten versenkt. An Bord: jede Menge Munition. Wissenschaftler wie Edmund Maser von der Uni Kiel untersuchen nun mit modernen Methoden die Folgen der Versenkung für die Umwelt. Foto: VasekCZ – Shutterstock 10 VAA MAGAZIN AUGUST 2025 SPEZIAL
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