Wochen erst erforschte Maser mit Kolleginnen und Kollegen das Wrack der „Tirpitz“. Die Reste des größten jemals in Europa fertiggestellten Schlachtschiffs liegen vor der norwegischen Küstenstadt Tromsø. Dort hatten es die Briten 1944 versenkt. „In der Nordsee sind die Munitionsversenkungsgebiete noch nicht so genau definiert wie in der Ostsee“, erklärt Professor Maser. „Deswegen konzentrieren wir uns hier zunächst in erster Linie auf die Erforschung von Schiffswracks.“ Gefördert werden diese Analysen von der Europäischen Union im Rahmen des REMARCO-Programms. Ein Mitbringsel Masers von seiner Reise nach Nordnorwegen: neue Beutel mit Sediment- und Wasserproben sowie Muscheln aus dem Untergangsgebiet der „Tirpitz“, die er jetzt auf Schadstoffe untersucht. „Erste und vorläufige Ergebnisse weisen darauf hin, dass auch das Wrack der ‚Tirpitz‘ zu einer sogenannten Punktquelle für sprengstofftypische Verbindungen geworden ist“, so Maser. Generell gibt es noch viel zu tun, wie Jens Greinert hervorhebt. Der Professor für Geologie arbeitet für das Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel GEOMAR. Er und sein Team haben den Meeresboden hydroakustisch mit Echoloten kartografiert. Ein Ergebnis: Zumindest der deutsche Teil von Nord- und Ostsee müsse in seiner Gesamtheit als munitionsbelastet angesehen werden – „mit Hotspots in den Versenkungsgebieten“. Die technische Bergung der Munition ist nur die eine Seite der Medaille, musste Greinert im Lauf der Auseinandersetzung mit dem Thema lernen. Erst im Lauf der Foto und Grafik: GEOMAR Wie und warum gelangten nach 1945 Granaten und Bomben in die Ostsee? Was findet sich davon heute noch auf dem Meeresgrund? Und wie entging die Hansestadt Lübeck, heute Weltkulturerbe, nach dem Zweiten Weltkrieg einer Katastrophe? Diese Fragen beantwortet noch bis zum 13. Dezember 2025 eine sehenswerte Sonderausstellung im Museum für Regionalgeschichte der Gemeinde Scharbeutz und Umgebung (Lindenstraße 23, 23684 ScharbeutzPönitz). Öffnungszeiten: Dienstag 15 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei, um eine Spende wird gebeten. Weitere Informationen gibt es unter https://museum-scharbeutz.de/. Sonderausstellung „Munition im Meer – das explosive Erbe“ Foto: Marc Seidel – GEOMAR Mit autonomen Unterwasserfahrzeugen kartieren Jens Greinert und sein Team vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel GEOMAR den Meeresboden. Ein Ergebnis der Untersuchungen: Zumindest der deutsche Teil von Nord- und Ostsee muss in seiner Gesamtheit laut Greinert als munitionsbelastet angesehen werden. 12 VAA MAGAZIN AUGUST 2025 SPEZIAL
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