VAA Magazin August 2025

Tonnen Weltkriegsmunition bedecken den Boden von Nord- und Ostsee. Allein in der deutschen Ostsee liegen Schätzungen zufolge rund 300.000 Tonnen Altmunition. Darunter befindet sich konventionelle Munition wie Hülsen, vor allem aber chemische Kampfstoffe, deren Behältnisse im rauen Salzwasser rosten und sich nun langsam auflösen. Die Kriegsmunition ist hier auf unterschiedlichsten Wegen gelandet: durch Verminung, Seekämpfe oder Schiffswracks. Die größte Menge stamme aus gezielten Versenkungen nach Ende des Zweiten Weltkrieges, so schreibt es das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel als eine der weltweit führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Meeresforschung. Mehr als 1,6 Millionen Um etwa 0,5 Grad Celsius hat sich der Weltozean in den vergangenen 30 Jahren erwärmt – Messreihen in der Ostsee zeigen bereits eine Erwärmung um etwa 1,5 Grad. In der Ostsee sind schon jetzt viele Veränderungen zu beobachten, die anderen Meeresregionen noch bevorstehen. In der Tiefe herrscht Sauerstoffmangel, einige Zonen gelten bereits als sauerstofffrei. Und der pH-Wert des Wassers erreicht regelmäßig Bereiche, die im Zuge der Ozeanversauerung für tiefere Meere erst im nächsten Jahrhundert erwartet werden. Hinzukommen Überdüngung und Verschmutzung. Forschende betrachten das Brackwassermeer daher auch als „Zeitmaschine“. Gleichzeitig ist die Ostsee eines der am besten erforschten Meere. Die Entwicklung wichtiger Umweltparameter, marinem Leben und Fischbeständen werden seit Jahrzehnten erfasst. stellt diese große Menge an Altmunition nicht nur eine Gefahr für die marine Umwelt, sondern auch für den Menschen dar: Die giftigen Substanzen wie TNT, Quecksilber oder Blei als Schadstoffe werden langsam freigesetzt und sind im Wasser und in Meeresorganismen nachweisbar. Aus Altmunition in der südwestlichen Ostsee sind bereits rund 3.000 Kilogramm gelöste giftige Chemikalien freigesetzt worden, wie eine neue GEOMAR-Studie zeigt. Wasserproben aus den Jahren 2017 und 2018 ergaben Substanzen in fast allen Fällen, insbesondere in der Kieler und der Lübecker Bucht. Die Werte lägen noch unterhalb der Schwelle für ein Gesundheitsrisiko, sie unterstreichen jedoch den Handlungsbedarf bei der Munitionsräumung, um die langfristigen Risiken zu minimieren, so das Forschungszentrum GEOMAR. Ohne Maßnahmen zur Bergung ist mit einem Anstieg der Kontamination zu rechnen, da die Metallhüllen durch Korrosion zunehmend zerfallen. „Mit den Kriegsaltlasten kann zumindest eine Quelle für die Kontamination des Meeres dauerhaft beseitigt werden“, sagt Geochemiker Aaron Beck vom GEOMAR. 80 Jahre später Foto: kamisoka – iStock 14 VAA MAGAZIN AUGUST 2025 SPEZIAL

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