wieder mit von der Partie. Er kann sich gut an seine Eindrücke bei der ersten Erkundung in der Lübecker Bucht erinnern, an der er beteiligt war. Ein „Sammelsurium von schätzungsweise 1.000 bis 1.500 Munitionskisten“ hätten die Unterwasseraufnahmen von Tauchrobotern seinerzeit stellenweise gezeigt. „Als die ersten Kisten durch Taucher vorsichtig geöffnet, in die Körbe geladen und dann schließlich an Bord gezogen wurden, um im Wasch- und Sortierbereich zu landen, war das schon ein besonderer Moment“, berichtet Stürmer. Überrascht habe ihn vor allem der unterschiedliche Zustand der Kisten. „Wir hatten Munitionskisten, die der ursprünglichen Erwartungshaltung entsprachen: stark verrostet, teilweise zu ganzen Sprengstoffsedimentblöcken verbacken, auf denen Muscheln und Seesterne siedelten“, so der Diplom-Geophysiker. „Und dann machen Sie andere Kisten auf und denken: Aus welcher Fabrik kommen die denn gerade?“ Einzelne der Zwei-Zentimeter-Patronen seien dermaßen gut erhalten gewesen, dass ihm spontan durch den Kopf gegangen sei: „Die könntest Du glatt nochmal durchs Rohr schicken.“ Gefährliches Erbe für Mensch und Umwelt Einstweilen hat die Bergungscrew die Munition bis zu einer endgültigen Bergung wieder auf den Meeresgrund verbracht. Sicher verpackt, „damit keine Schadstoffe austreten oder sich irgendein Unbefugter an der Munition vergreift“. Gefährlich für Mensch und Umwelt sind diese Hinterlassenschaften nämlich in jedem Fall – ganz egal, in welchem Zustand sie sich befinden. Explodiere beispielsweise ein noch scharfer Großsprengkörper, „dann gehen da bis zu 900 Kilo Sprengstoff auf einmal los“, weiß Claus Böttcher von der Nichtregierungsorganisation JPI Oceans. Das könne Wale noch in einem Umkreis von 40 oder mehr Kilometern töten. „Und auf einem Handelsschiff wird die Explosion noch in 1.000 Metern Entfernung spürbar sein.“ Doch das ist rund 80 Jahre nach den Kampfmittelversenkungen nicht das einzige Problem, wie Böttcher betont. „Jetzt rosten die Metallhüllen zunehmend weg und die Chemie ist direkt u Foto: Krofoto – Shutterstock Fotos: GEOMAR 9 SPEZIAL VAA MAGAZIN AUGUST 2025
RkJQdWJsaXNoZXIy ODM4MTc=