VAA Magazin August 2026

Foto: Janiecbros – iStock Interview mit Harald Bardenhagen: Blick auf Sterne zunehmend getrübt Foto: Nikola Taćevski Harald Bardenhagen ist Gründer der AstronomieWerkstatt Sterne ohne Grenzen. Er bietet in der Eifel „Sternenwanderungen“ an. Im Gespräch mit dem VAA Magazin erklärt er, was Menschen am nächtlichen Himmel beeindruckt – und was sich in den vergangenen Jahren geändert hat. VAA Magazin: Was fasziniert die Menschen am Sternenhimmel? Bardenhagen: Die Ästhetik dieses Anblicks. Lässt sich diese Faszination etwas näher beschreiben? Vielleicht durch die Fragen, die dann aufkommen. Was sehe ich da? Wie groß ist das Universum? Was ist der Unterschied zwischen Planeten und Sternen? Bis hin zur existenziellen Frage: Was haben wir Menschen denn eigentlich mit alledem zu tun? Hat sich dieser Anblick in den vergangenen Jahren geändert? Seit Jahrzehnten beobachte ich den Himmel. Wir verlieren die Dunkelheit der Nacht mit Lichtgeschwindigkeit – immer mehr Licht, immer weniger Sterne. Und inzwischen vergehen keine zwei, drei Minuten, in denen ich nicht selbst im sehr kleinen Blickfeld des Teleskops einen Satelliten durchrasen sehe. Manche meiner Gäste sagen dann: „Da ist eine Sternschnuppe durchgeflogen!“ Ich antworte dann bestimmt: „Nein, nein, das war ein Satellit.“ Der Satellitenfunk stört die in der Eifel traditionelle Radioastronomie auch ganz erheblich. Selbst ein einfaches Handy, das ich auf dem Mond einschalte, würde tausendmal heller strahlen als eine entfernte Galaxie. Sie klingen besorgt. Es geht nicht nur darum, dass durch neue Lichtpunkte am Himmel der Blick auf den Sternenhimmel „vermiest“ wird. Die Grundlagenforschung wird massiv eingeschränkt. Wenn bei Aufnahmen durch die großen Observatorien ein Satellit durchs Bild fliegt, dann ist diese Aufnahme möglicherweise unbrauchbar. Bis der Wissenschaftler, der diese Aufnahme anfertigen lässt, wieder einen neuen Slot von einer halben oder ganzen Stunde dafür bekommt, können locker drei Jahre vergehen. Und solche Verluste sind letztlich Steuergelder, die an anderen Stellen fehlen. Die Satelliten im erdnahen Orbit dienen unter anderem dazu, die Verbindung zum Internet zu verbessern. Aber sie haben eine begrenzte Lebensdauer von wenigen Jahren. Im erdnahen Orbit gibt es geringe Reste von Atmosphäre. Diese bremsen alle Satelliten langsam und sie sinken in noch dichtere Luftschichten. Der Bremseffekt wird immer größer und schließlich verglüht der Satellit. Das Ergebnis? In nicht allzu ferner Zeit haben wir Tonnen von Aluminiumstaub und Elektroschrott in der Hochatmosphäre. Wir, und auch unsere Kinder und Enkel, benötigen Raumfahrt dringend. Nicht, um zum Mond oder zum Mars zu fliegen. Sondern um Wetter- und andere Erdbeobachtungssatelliten ins All zu bringen, die uns einen Überblick über das geben, was auf unserem Planeten passiert. Um diese Satelliten ins All zu bringen, muss man in oder durch den erdnahen Orbit – und die Gefahr von Kollisionen steigt mit der zunehmenden Anzahl der Satelliten immens. Sie setzen sich auch gegen Lichtverschmutzung auf der Erde sein – warum? Weil alle Lebewesen Dunkelheit benötigen. Tagaktive benötigen Dunkelheit für einen gesunden Schlaf, für die Nachtaktiven ist die Dunkelheit die existenzielle Lebensnische. Nachtfalter etwa sind wichtige Bestäuber für nachtaktive Pflanzen. Fehlt dieses Zusammenspiel, hat das ganz konkrete Folgen für unsere Umwelt. Das Leben auf unserem Planeten hat sich in 3,7 Milliarden Jahren durch den stetigen Wechsel von Helligkeit bei Tag und Dunkelheit bei Nacht entwickelt. Und das hat sich in das „Betriebssystem“ aller Lebewesen eingeprägt. Dagegen zu arbeiten ist riskant und wahrlich keine gute Idee. Weitere Informationen zur Astronomie-Werkstatt von Harald Bardenhagen unter www.sterne-ohne-grenzen.de. 11 SPEZIAL VAA MAGAZIN AUGUST 2026

RkJQdWJsaXNoZXIy MzE5OTc3Nw==