Fotos: Ralf Geithe – iStock, abitaev.art – Shutterstock Die Organisation DarkSky International verweist auf wissenschaftliche Untersuchungen, die einen eindeutigen Zusammenhang zwischen nächtlicher Lichtexposition und bestimmten biologischen Auswirkungen belegen. Demnach kann Lichteinwirkung nach Einbruch der Dunkelheit die körpereigene Produktion von Melatonin unterdrücken. Dabei handelt es sich um ein wichtiges Hormon, das dem Körper signalisiert, dass es Zeit zum Schlafen ist. Einige Studien zeigten zudem, dass eine Störung des Hell-Dunkel-Rhythmus die Funktion der menschlichen Gene beeinflussen könne. Aufklärung tut not Aufklären, das Bewusstsein für die Folgen von Lichtsmog schärfen – auch das gehört zu der Mission von Bardenhagen, der seit Jahrzehnten Mitglied bei DarkSky International ist. Letzten Endes Mehr vom All gibt es in einer Schau im arp Museum Bahnhof Rolandseck unweit von Bonn zu sehen. Die Sonderausstellung mit dem Titel „Zu den Sternen – Weltraum und Weltflucht seit der Moderne“ ist bis zum 10. Januar 2027 geöffnet. Kunstwerke von Max Ernst, El Lissitzky, Katharina Sieverding oder Sophie Taeuber-Arp sollen die Faszination für das All veranschaulichen. „Seit den 1980er Jahren nehmen die kritischen Stimmen an den scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten der Raumfahrt merklich zu“, so die Organisatoren. Den Hoffnungen, alternatives Leben auf einem Ersatzplaneten zu finden oder dies zu ermöglichen, stehe ein zunehmender Kulturpessimismus entgegen. „Die Erkenntnis der Endlichkeit unserer lebenswichtigen Ressourcen angesichts menschlicher Hybris und unseres Fehlverhaltens führt auch in der Kunst zu neuen Diskursen.“ Weitere Informationen gibt es auf der Website des Museums unter arpmuseum.org. müsse aber auch der Gesetzgeber aktiv werden. Im Nachbarland Frankreich zeigten sich die positiven Effekte. „Dort ist es nachts wirklich dunkler.“ In Deutschland dagegen seien Kommunen immer noch gezwungen, einen Kreisverkehr mit Fußgängerüberweg zu beleuchten „wie einen Fußballplatz“. Apropos Fußballplatz: Für die Beleuchtung von Sportstätten gibt es inzwischen Varianten, die den Kämpfer gegen Lichtsmog zuversichtlich stimmen. In Sötenich wurde im März dieses Jahres eine neue Lichtanlage in Betrieb genommen, die laut Medienberichten so gut wie keine Abstrahlung an die umliegenden Flächen oder in den Himmel abgibt. Die erste DarkSky-zertifizierte Sportanlage in Europa, wie Bardenhagen betont. Der Ortsteil von Kall liegt nur wenige Kilometer entfernt von seiner AstronomieWerkstatt und ist damit auch Teil des Sternenparks Eifel. Ein weiterer Pluspunkt: Die LED-Strahler sind bis zu 60 Prozent energieeffizienter als herkömmliche Leuchten und der Hersteller bietet zehn Jahre Garantie auf alles. Solche Maßnahmen können eine große Wirkung haben, weiß Bardenhagen. Es sei schon vorgekommen, dass sich manche seiner Gäste einen Tag nach einer Sternenwanderung auf der Rückfahrt ins Rheinland oder ins Ruhrgebiet gemeldet hätten. „Nun weiß ich, was Sie mit Lichtsmog meinen. Jetzt sehe ich jede Lampe mit anderen Augen.“ In den Ballungsgebieten um Bonn, Köln, Düsseldorf oder Essen ist es schlicht zu hell, um den Sternehimmel in all seiner Pracht zu beobachten. Jeder, der das einmal getan hat, ist begeistert von diesem Hauch von Unendlichkeit, der sich dann auftut. Manch einen wird der Anblick von All und Natur vielleicht auch eine Portion Demut lehren. Ach so: Wie weit müssten jetzt die beiden Murmeln voneinander entfernt sein, um die 4,3 Lichtjahre Abstand eines Sterns zur Sonne maßstabsgerecht abzubilden? „Das verrate ich Ihnen jetzt doch nicht“, sagt Bardenhagen und schmunzelt. „Dazu kommen Sie mal lieber zu einer Sternenwanderung.“ 13 SPEZIAL VAA MAGAZIN AUGUST 2026
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