100 Milliarden Insekten pro Sommer sterben den Paten der Nacht zufolge allein an Deutschlands Straßenlaternen. Sie sterben an Erschöpfung wegen Dauerumkreisung des Lichts, verbrennen oder fallen angelockten Fressfeinden zum Opfer. Die Biomasse fliegender Insekten ist in den letzten drei Jahrzehnten um fast 80 Prozent zurückgegangen. Dabei gelten Insekten als größte und wichtigste Nahrungsquelle im Tierreich, haben eine bedeutende Aufgabe als Verwerter organischer Stoffe von Pflanzenresten und Tierleichen und dienen in der Landwirtschaft als wertvolle Nützlinge. Vor allem aber gehören sie zu den wichtigsten Pflanzenbestäubern, nahezu alle Wild- und Kulturpflanzen sind auf sie angewiesen. Damit sind Insekten unentbehrlich für das Leben auf diesem Planeten. Den umfangreichsten Beitrag an Bestäubung leisten Käfer, Fliegen, Wildbienen und vor allem Nachtfalter. Mehr als 90 Prozent aller Schmetterlinge sind Nachtfalter. Mehr als 60 Prozent aller Lebewesen sind nachtaktiv. Sie werden in ihren nächtlichen Aktivitäten durch die vielen künstlichen Lichtquellen in den Städten bei der Bestäubung, Fortpflanzung und Futtersuche gestört. Sie werden durch das viele Licht geblendet, verdrängt, abgelenkt und irritiert. Es kommt zu Verhaltensänderungen, Verschiebungen von Räuber-Beute-Beziehungen und Dezimierungen von Lebensräumen sowie Beständen. Für unzählige Insekten wird Licht zur tödlichen Falle. Mit 0,0001 Lux ist eine Nacht ohne Mond und ohne Lichtverschmutzung bis zu 1,3 Milliarden Mal dunkler als ein klarer, sonniger Sommertag mit einer Beleuchtungsstärke von etwa 130.000 Lux, beschreiben die Paten der Nacht die Folgen der Lichtverschmutzung. Den rhythmischen Wechsel zwischen hell und dunkel gibt das Sonnenlicht in Kombination mit der Erdrotation vor: Keine Größe in der Natur ändert sich in derart großem Umfang wie dieser Hell-Dunkel-Rhythmus. Licht ist damit der stärkste Taktgeber, nach dem sich nahezu alle Organismen dieses Planeten richten, sie sind sogar zwingend auf ihn angewiesen. Seit rund drei Milliarden Jahren ist dieser Rhythmus in den Genen fast aller Organismen fest verankert. Er steuert so gut wie alle lebenswichtigen Prozesse, vor allem Wach- und Schlafphasen sowie die Zellreparatur und -Regeneration. Manuel Philipp ist studierter Physiker und Astronom aus Leidenschaft. Er möchte vor allem der jungen Generation das Weltall auf verständliche und gleichzeitig begeisternde Art und Weise näherbringen. Seine Vorträge zum Thema „Abenteuer Sterne“, Führungen und Kurse, größtenteils in der Natur, bieten ihm die Möglichkeit, den Teilnehmenden live zu zeigen, wie schön sich Physik und Naturwissenschaft anfühlen kann und anfassen lässt. Mit der gemeinnützigen und überparteilichen Organisation Paten der Nacht informiert Philipp mit mittlerweile rund 50 ehrenamtlichen Teammitgliedern über das Thema Lichtverschmutzung und zeigt Menschen Lösungsmöglichkeiten auf, wie sie im Sinne des Umwelt- und Artenschutzes verantwortungsvoller und intelligenter mit nächtlichem Kunstlicht umgehen können. Die natürlich dunkle Nacht ist nicht nur aus seiner Sicht ein wertvolles Gut, das es für den Erhalt des Lebens zu schützen und zu wahren gilt. Foto: Theresia Berger 15 SPEZIAL VAA MAGAZIN AUGUST 2026
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