besteht, gerät die Akzeptanz des Systems in Gefahr. Gerade Fach- und Führungskräfte erleben unmittelbar, wie stark Gehälter bereits belastet werden. Wer Verantwortung übernimmt und einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung des Gemeinwesens leistet, darf nicht den Eindruck gewinnen, dass Leistung vor allem mit zusätzlichen Belastungen verbunden ist. Ein leistungsfähiger Sozialstaat bleibt ein zentraler Standortvorteil. Umso wichtiger ist eine langfristig tragfähige und gerechte Finanzierung. Dazu gehört insbesondere eine saubere Finanzierung versicherungsfremder Leistungen sowie ein konsequenter Blick auf Effizienzpotenziale. Denn hohe Sozialabgaben wirken sich unmittelbar auf Nettolöhne, Arbeitskosten, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung aus. Wirtschaftliche Stärke und sozialer Zusammenhalt dürfen nicht gegeneinander Von links nach rechts: ULA-Präsident Roland Angst, Bundestagsabgeordneter Dr. Stefan Nacke, ULA-Vizepräsident Dr. Benjamin Koch und Uta Zech von Business and Professional Women (BPW) Germany. Foto: Jens Schicke – ULA ausgespielt werden. Ohne wirtschaftliche Leistungsfähigkeit lässt sich kein dauerhaft starker Sozialstaat finanzieren; ohne sozialen Zusammenhalt fehlt die Grundlage für eine stabile wirtschaftliche Entwicklung. Genau dieser Gedanke bildet den Kern der Sozialen Marktwirtschaft. Auch bei der Alterssicherung sind langfristige Antworten gefragt. Es ist richtig, längeres Arbeiten attraktiver zu machen und die Erfahrung älterer Beschäftigter stärker zu nutzen. Gleichzeitig braucht es flexible Übergänge in den Ruhestand, bessere Rahmenbedingungen für freiwilliges Weiterarbeiten sowie eine stärkere betriebliche und private Vorsorge. Reformpolitik darf sich nicht darin erschöpfen, kurzfristige Finanzierungsprobleme zu lösen. Das gilt schließlich auch für die Frage der Resilienz. Angesichts von Cyberangriffen, Desinformation, geopolitischen Spannungen und Bedrohungen kritischer Infrastruktur wird häufig über staatliche Handlungsfähigkeit gesprochen. Doch Resilienz ist ebenso eine Führungsaufgabe in Unternehmen und Organisationen. Wo Unsicherheit wächst, brauchen Menschen Führungskräfte, die Orientierung bieten. Darin liegt vielleicht die wichtigste Gemeinsamkeit von politischer und betrieblicher Führung: Konflikte lassen sich nicht vermeiden oder wegmoderieren. Entscheidungen müssen erklärt und unterschiedliche Interessen miteinander in Einklang gebracht werden. Die soziale Marktwirtschaft lebt davon, dass wir Konflikte fair austragen, tragfähige Kompromisse finden und gemeinsam Verantwortung übernehmen. Deutschland braucht deshalb mehr denn je eine Führungskultur, die wirtschaftliche Vernunft und soziale Verantwortung zusammenführt. 35 ULA NACHRICHTEN AUGUST 2026 www.ula.de
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