ChemieGeschichte(n) – 11. September 1841 werden. In seiner Patentschrift hielt Rand fest, wie es künftig funktionieren sollte: „Meine Erfindung bezieht sich auf eine Methode, Farben und andere Flüssigkeiten aufzubewahren, indem sie in ein metallisches Rohr eingebracht werden, das mit leichtem Druck verformbar ist, sodass die Farbe oder Flüssigkeit darin durch einen verschraubbaren Verschluss getrieben wird, dergestalt, dass die Flüssigkeit von Zeit zu Zeit entnommen und das Ende wieder luftdicht verschlossen werden kann.“ Rand selbst verdiente sein Geld zeitweilig in England als Porträtmaler in Adelskreisen. Ebendort drückte der Künstlerfarbenhersteller Winsor & Newton in England als erster auf die Tube und stellte das neue Produkt auf der Weltausstellung 1851 in London vor. Das von Rand ersonnene „Ohne Farben in Tuben hätte es keinen Cézanne, keinen Monet, keinen Sisley oder Pissarro gegeben, nichts von dem, was die Journalisten später als Impressionismus bezeichneten.“ Ob das so stimmt, was Jean Renoir, der Sohn von Maler Pierre-August Renoir einst behauptete? Ganz so simpel wird es dann doch nicht gewesen sein. Tatsache aber ist, dass der US-Amerikaner John Goffe Rand mit seiner Erfindung, die er vor 185 Jahren, am 11. September 1841, patentieren ließ, ins Schwarze traf. Rand, ebenfalls Maler, soll sich über die bisherige Darreichungsform von Künstlerfarben geärgert haben. Die waren in Schweinsblasen verpackt und konnten nach dem ersten Einstich nicht wieder verschlossen „Rohr“ nannte sich auf Englisch tube – der Begriff ging bald auch in andere Sprachen ein. Die frühen Tuben bestanden aus Blei oder Zinn. Die ersten Maschinen zur Herstellung von Aluminiumtuben wurden laut Angaben des Verbands der europäischen Tubenhersteller (etma) 1914 in Deutschland gebaut. In den 1950er Jahren kamen demnach die ersten Kunststofftuben auf den Markt. Längst steckt darin nicht mehr nur Künstlerfarbe. Zahnpasta, Senf und Mayonnaise, aber auch Silikon und Schuhcreme lassen sich auf diese Weise verpacken. Die im Verband organisierten Unternehmen lieferten im vergangenen Jahr 11,1 Milliarden Tuben aus. Aluminiumtuben erreichten laut etma ein Gesamtvolumen von 3,8 Milliarden Einheiten und lagen damit 2,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Hauptursache sei die schwächere Nachfrage aus dem Pharmasektor gewesen, dem wichtigsten Absatzmarkt für dieses Segment. „Kunststofftuben verzeichneten einen deutlicheren Rückgang um 6,7 Prozent auf 2,87 Milliarden Einheiten“, so die etmaVerantwortlichen. Das wiederum sei auf eine „spürbare Abschwächung der Nachfrage aus der Kosmetikindustrie“ zurückzuführen. Laminattuben hätten sich dagegen 2025 als vergleichsweise stabil erwiesen und gingen lediglich um ein Prozent auf 4,43 Milliarden Einheiten zurück. Erfinder John Goffe Rand wird solche Zahlen nicht einmal im Ansatz vor Augen gehabt haben. Künstlerisch blieb er nach dem, was sich in einer Internetrecherche zutage fördern lässt, eher eine Randfigur. Er starb 1873 im Alter von 71 Jahren in New York. Er lebt aber in der Tube fort – und in den Debatten, die in vielen Haushalten darüber geführt werden, wer den Inhalt der Tuben am besten ausquetscht. Unter der Überschrift „ChemieGeschichte(n)“ wirft das VAA Magazin einen Blick auf Meilensteine der chemisch-pharmazeutischen Wissenschaft und Praxis. Im Mittelpunkt stehen Personen, Dinge oder Ereignisse, die Geschichte gemacht haben und deren Einflüsse bis heute spürbar sind. 1841Maler Rand erhält Patent auf die Tube Tuben haben eine Fülle positiver Eigenschaften und sind geeignet für Inhalte unterschiedlichster Art. Foto: European Tube Manufacturers Association 47 VERMISCHTES VAA MAGAZIN AUGUST 2026
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