Reise vom Licht auf der Erde zu Sternen und Satelliten Im All wird‘s voll Von Joachim Heinz und Simone Leuschner „Ich seh‘ den Sternenhimmel“, hat in den 1980ern Hubert Kah gesungen. Doch das ist inzwischen in vielen Regionen nahezu unmöglich. In Deutschland ist es nachts oft zu hell. Und wenn es wirklich irgendwo dunkel ist, dann sind es nicht mehr nur Sterne, die am Firmament leuchten. Eine Einladung zu einer kurzen Reise in die Weiten des Alls, zu Forschungsinstituten und Sternwarten. Und auf einen Fußballplatz in der Eifel. Wenn Harald Bardenhagen seinen Gästen die Dimensionen des Alls vor Augen führen möchte, dann verteilt er gern zwei Murmeln: eine für die Sonne und eine für Alpha Centauri, einen Stern in einer Entfernung von 4,3 Lichtjahren. „Wie weit müsste man diese beiden Murmeln wohl auseinanderbringen, um die 4,3 Lichtjahre maßstabsgerecht abzubilden?“, lautet dann seine Frage. Bardenhagen ist Gründer der Astronomie-Werkstatt „Sterne ohne Grenzen“. In der Eifel, auf dem abseits großer Städte und Verkehrsströme gelegenen Gelände der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang, jetzt Internationaler Platz Vogelsang IP, bietet der Astronom „Sternenwanderungen“ mit den Augen am Nachthimmel an. Die rund zweistündigen Veranstaltungen sind aus guten Gründen keine echten Wanderungen, wie der passionierte Beobachter des Firmaments betont. Im Dunkel der Nacht, so erklärt er, könnten sich Fauna und Flora erholen. „Schon ein Flüstern versetzt Tiere in Panik.“ Vogelsang liegt im Nationalpark Eifel. Dazu passt, dass sich Bardenhagen neben der Astronomie den Naturschutz auf die Fahnen geschrieben hat. Und deswegen finden seine „Sternenwanderungen“ mit den Augen und mit Teleskopen statt. Die richten sich auf das, was nachts am Himmel leuchtet: Sterne, Kometen, Planeten. Doch in den vergangenen Jahren fallen Bardenhagen und seinen Gästen vermehrt andere Objekte auf, die offensichtlich keinen natürlichen Ursprung haben. Heute noch erinnert sich der Gründer der Astronomie-Werkstatt an eine Begebenheit im Frühjahr 2019. Da hätten sich auf einmal 50, 60 Lichtpunkte gezeigt – „ganz eng beieinander, wie eine leuchtende Perlenschnur“, so Bardenhagen. „Was fliegt denn da?“, wollte ein Teilnehmer aus der Gruppe wissen. Militärflugzeuge auf Mission, vermutete Bardenhagen. „Aber dass die so eng nebeneinander fliegen und Licht einschalten, ist schon merkwürdig.“ Wenig später hatte er des Rätsels Lösung: Per Zufall waren er und seine Besuchergruppe Zeugen eines Überflugs der ersten 60 Starlink-Satelliten geworden, die US-Unternehmer Elon Musk in den Weltraum geschossen hatte. u „Derzeit wird der Start von Satelliten, insbesondere durch kommerzielle Anbieter, nur wenig reguliert. Das internationale Weltraumrecht hat an dieser Stelle jede Menge Lücken und auch die Zuständigkeiten sind nicht geklärt.“ Carolin Liefke, Stellvertretende Leiterin des Hauses der Astronomie in Heidelberg. 7 SPEZIAL VAA MAGAZIN AUGUST 2026
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